„Lucic und Hunter fehlen sehr“

von Redaktion

Magentasport-Experte Pascal Roller glaubt nicht an den Titelgewinn der Bayern-Basketballer

München – Zumindest ein Geheimnis ist bei den Basketballern des FC Bayern ja schon vor dem ersten Viertelfinale am Dienstag (20.30 Uhr) gegen die BG Göttingen gelüftet. Andi Obst wird die Münchner als Kapitän durch die Playoffs führen. Das kommt nicht überraschend, der Nationalspieler war schon im Saisonverlauf der Stellvertreter des nun verletzten Leitwolfs Vladimir Lucic. Und der Dreier-Spezialist gibt den entsprechend selbstbewussten Anführer: „Wir haben genug Klasse um den Titel zu holen.“

Ex-Profi und MagentaSport-Experte Pascal Roller ist da schon skeptischer. „Gegen Göttingen sind die Bayern trotzdem auf allen Positionen im Vorteil“, sagte er, „aber schon in einem möglichen Halbfinale gegen Alba Berlin fehlen Persönlichkeiten wie Lucic oder Othello Hunter schon sehr.“

Wer könnte in die Bresche springen? Obst selbst? Routinier Elias Harris? Roller glaubt an einen anderen: „Niels Giffey hat für mich mit seiner Erfahrung und seiner Uneigennützigkeit alles, einen Schritt nach vorne zu machen und in so eine Rolle zu schlüpfen.“

Man ahnt: Für die Bayern könnte das Viertelfinale noch ungleich wichtiger werden als für die designierten Titelrivalen aus Bonn und Berlin. Man hat die Spiele gegen Göttingen, um sich neu zu sortieren und nach den, sportlich bedeutungslosen letzten Hauptrundenwochen den Schalter wieder auf Playoff-Intensität umzulegen. An den Kräften dürfte es nicht fehlen. Anders als in den beiden letzten Spielzeiten kommen die Bayern diesmal nicht aus einer langen Viertelfinalserie in Europa. Wie die Dinge stehen, melden sich auch die zuletzt angeschlagenen Freddie Gillespie und Nick Weiler-Babb wieder einsatzfähig.

Ob die bevorstehenden Veränderungen auf dem Trainerstuhl dabei zum Problem werden könnten, ist eine andere Frage. Roller glaubt es nicht. „Dass Andrea Trinchieri die Mannschaft abhanden kommen könnte, halte ich für undenkbar“, sagte der 46-Jährige. Interessant werde es in dieser Hinsicht eher im Sommer werden, denn auf das Bayernteam wartet ein komplett neuer Führungsstil. Anders als der eher „harte Trinchieri“ ist der designierte Nachfolger Pablo Laso als ehemaliger Profi ein „Players Coach, der die Nähe der Spieler sucht“, wie Roller sagt.

Noch ist es nicht so weit, die Bayern wollen den neuen Zeiten unbedingt als Double-Sieger entgegen gehen. Derzeit scheinen die Münchner im Rennen der „drei großen B“ allerdings im Nachteil. Berlin wie auch Bonn gehen ohne größere Verletzungssorgen den Playoffs entgegen. Wobei der Euroleague-Teilnehmer aus der Hauptstadt merklich tiefer besetzt ist als Hauptrunden-Champion Bonn. „Wenn Alba wieder so den Schalter umlegen kann wie zuletzt“, befand Pascal Roller, „dann werden sie schwer zu schlagen sein.“ Wenn – am Sonntag kassierten desolate Albatrosse ein 64:88-Debakel gegen Ulm.

Aber dann ist da ja auch noch Bonn. „Sie reiten auf einer Welle der Euphorie durch diese Saison“, sagte Roller, „die Bonner können auch ganz durchkommen. Mich würde es freuen.“ Beim FC Bayern wird man sich dem vermutlich nicht anschließen. PATRICK REICHELT

Artikel 3 von 11