Wird Gnabry zum König?

von Redaktion

Doppelpack gegen Schalke – nur noch drei Tore hinter Füllkrug

München – Das Spiel war seit über einer Stunde abgepfiffen, die dreckigen Trikots wurden gerade im großen Container aus der Kabine gefahren, da stellte sich die berechtigte Frage: „Ist der Serge noch da?“ Das Kopfschütteln der noch arbeitenden Mitarbeiter war glaubwürdig. Im Spielertrakt herrschte gähnende Leere, der Mann des Tages muss also nach dem 6:0 des FC Bayern gegen Schalke 04 den berühmten Hinterausgang genommen haben. Und so blieb leider nur die Außensicht auf die wunderbare Geschichte des Serge Gnabry.

Schon in der vergangenen Woche, nach dem 2:1 in Bremen und dem zweiten Treffer in zwei Spielen, hatte Hasan Salihamidzic den 27-Jährigen gelobt. Nun, nach zwei weiteren Toren binnen 15 Minuten, wurde der Sportvorstand deutlicher – und berichtete mit einem Augenzwinkern: „Ich habe ihm in der Halbzeit gesagt: ‚Komm mir nicht in die Kabine, wenn du keine Tore gemacht hast.‘“ Man darf diesen so begabten, aber nicht immer glücklichen Nationalspieler schon mal kitzeln, das ist intern gut bekannt. Und Gnabry hatte die Aufforderung verstanden. Er erhöhte in der 50. und 65. Minute auf das zwischenzeitliche 4:0 und bestätigte den Aufwärtstrend, den man ihm seit Wochen ansehen kann. Salihamidzic fasste nüchtern zusammen, was offensichtlich ist: „Einem Stürmer tun Tore gut, das ist doch klar.“

Dass Gnabry inzwischen bei 13 Saisontreffern steht – und den seit Ende Februar glücklosen Jamal Musiala als besten Bayern-Knipser der laufenden Spielzeit abgehängt hat –, wirkt fast ein wenig ironisch. Tatsächlich ist sogar denkbar, dass der Mann, der seit Monaten als Sinnbild des fehlenden Stürmers im Bayern-Kader gilt, am Ende noch Torschützenkönig wird. Aktuell rangiert Gnabry hinter dem verletzten Niklas Füllkrug (16) sowie Randal Kolo Muani (Frankfurt) und Vincenzo Grifo (Freiburg/beide 14). Nimmt man den Schnitt der letzten drei Spiele, könnten gegen Leipzig und in Köln locker noch drei Treffer hinzukommen. Ausreichend „Selbstvertrauen“ hat Salihamidzic bei Gnabry ausgemacht. Sogar so viel, dass der 46-Jährige auf die obligatorische Frage nach der laufenden Stürmer-Suche lapidar sagte: „Gnabry! Das ist die Antwort.“

Einen Einfluss auf die Transferpläne hat der Höhenflug des Aushilfs-Neuners eher nicht, er bringt aber für den Moment Optimismus. „Wir sind glücklich, Serge zu haben, der das Glück auf seine Seite gezogen hat “, sagte Tuchel, der seinem „Topcharakter“ sogar „ein, zwei Tore mehr“ gewünscht hätte. Heißt übersetzt: Es geht noch Einiges. Und womöglich würde Gnabry mit der Kanone in der Hand auch vorne rausgehen – und selbst reden.  hlr

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