Tampere – Kapitän Moritz Müller und Co. suchten am „Heiligen See“ nach neuer Hoffnung – und schickten den einen oder anderen Hilferuf nach Kanada. Am Ufer des Pyhäjärvi fanden die deutschen Nationalspieler nach ihrem Null-Punkte-Start in der Sauna und beim Grillen Abstand vom Eishockey, nutzten die freie Zeit aber auch, um Superstar Leon Draisaitl nach dem NHL-Aus einen Langstreckenflug zur WM schmackhaft zu machen.
„Ich bin mit dem deutschen Team in Kontakt“, bestätigte der 27-Jährige bei der Abschlusspressekonferenz in Edmonton, „wir versuchen gerade, einige Dinge zu klären. Wir werden sehen.“ Müller berichtete: „Das ist keine leichte Situation für ihn.“ Der Kapitän kontaktierte Draisaitl, nachdem er ihn „eine Nacht drüber schlafen“ gelassen hatte: „Gerade erst ausgeschieden, da will man nicht Minuten nach Abpfiff schreiben: Tut mir leid, aber …“ Doch auch der Kapitän weiß: Ausnahmestürmer Draisaitl und Torwart Philipp Grubauer, der eine Nacht später in den NHL-Play-offs ausschied, könnten zu spät kommen.
Denn sollte die Auswahl des DEB am Donnerstag (19.20 Uhr MESZ/Sport1 und MagentaSport) gegen Dänemark nicht gewinnen, könnten das Viertelfinale und das Olympia-Direktticket bereits außer Reichweite sein. NHL-Jungstar Moritz Seider spürte deshalb nach dem unglücklichen 2:3 gegen die USA schon „die Schrotflinte auf der Brust“. Verlieren ist ab jetzt verboten.
Draisaitl musste am Dienstag noch einmal erklären, warum der Traum vom Stanley Cup schon wieder vorzeitig geplatzt war. Wie bei Grubauer, der mit Seattle im siebten Viertelfinale scheiterte, stehen vor einer möglichen, rund 20-stündigen Reise nach Finnland medizinische Untersuchungen und Abschlussgespräche an. In Tampere könnten beide wohl erst Ende der Woche eintreffen.
Nicht nur für Müller, der in der Sommerpause häufig mit Draisaitl in Köln trainiert, ist klar: „Wir können ihn gut gebrauchen.“ Einer, der gerade zum dritten Mal die 50-Tore-Marke in einer NHL-Saison geknackt hat, könnte die Abschlussschwäche beheben. Und das Powerplay, das bislang nur einmal in zwölf Versuchen erfolgreich war, auf ein anderes Niveau heben.
Seider, bislang als Verteidiger Kopf des Teams, warnte aber: „Wir dürfen nicht nur darauf spekulieren, dass Leon jetzt kommt, dann würden wir es uns ein bisschen zu einfach machen.“ Gleichzeitig machte er sich und seinen Teamkollegen trotz der drei Auftaktniederlagen Mut. „Man darf uns immer noch nicht abschreiben. Wir sind eine Mannschaft, die bis zum bitteren Ende durchzieht“, betonte der 22-Jährige.
Was bislang trotz starker Leistungen fehlte, haben alle erkannt. „Wir waren in den entscheidenden Phasen nicht dreckig genug“, sagte Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm. „Wir sind hier und da einen Tick zu verspielt, zu schön“, ergänzte Müller, „wir müssen es ein bisschen mehr erzwingen und ein bisschen mehr dreckig wollen.“
Soll heißen: Zu selten steht ein Stürmer direkt vor dem gegnerischen Torwart, um ihm die Sicht zu nehmen und einen Abpraller zu verwerten. Gerade in Überzahl war dieses Manko offensichtlich. „Unabhängig davon, wie gut der Torwart ist: Was er nicht sehen kann, hat er Probleme zu halten“, sagte Bundestrainer Harold Kreis: „Wir brauchen mehr Verkehr vor dem Tor.“ sid