Vier schmerzhafte Jahre

von Redaktion

Pandemie, Verletzung, Krieg: Ovtcharovs WM-Comeback

Durban – Bloß weg hier! Das war die Reaktion von Dimitrij Ovtcharov auf seinen bislang letzten Auftritt bei einer Tischtennis-WM. 2019 verlor er schon in der dritten Runde gegen den Kroaten Tomislav Pucar und eilte danach frustriert aus der Messehalle von Budapest.

Vier Jahre ist das nun her, wenn der deutsche Nationalspieler und frühere Weltranglisten-Erste an diesem Wochenende bei den Weltmeisterschaften in Durban/Südafrika sein WM-Comeback geben wird. Vier Jahre gehen im Leben eines Leistungssportlers schnell vorbei. Aber was in genau diesen vier Jahren passiert ist und auf Ovtcharovs Karriere einwirkte, konnte sich 2019 noch niemand vorstellen.

Die Team-WM 2020 fiel aus, weil gerade eine Pandemie ausgebrochen war. Die WM 2021 verpasste Ovtcharov, weil er nach einer schweren Knöchelverletzung gleich zweimal operiert werden musste. Auf die Team-WM 2022 verzichtete er wegen seines Trainingsrückstandes. Vor allem aber hatte Russland kurz zuvor die Ukraine überfallen, was für den 34-Jährigen der wohl größte Einschnitt von allen war. Seine Großmutter holte die Familie aus Ovtcharovs Geburtsstadt Kiew heraus. Seinen russischen Club Fakel Orenburg verließ er aus Protest gegen diesen Krieg nach fast zwölf Jahren.

„Das war eine intensive Zeit“, sagte Ovtcharov. Seine olympische Bronzemedaille in Tokio und der Bundesliga-Rückzug seines neuen Clubs TTC Neu-Ulm fielen in diese vier Jahre auch noch hinein. Jetzt also das WM-Comeback in Durban. Und Ovtcharov erklärt: „Ich bin froh, dass ich wieder gut Anschluss gefunden und nach der langen Verletzung einige Topspieler geschlagen habe. Das zeigt mir, dass das Level da ist und dass ich nach wie vor für jeden gefährlich sein kann.“

Aber, fügte er hinzu: Ein konkretes Ziel – „dass ich etwa zwingend eine Medaille holen muss“ – das setzt er sich bei dieser WM vom 20. bis 28. Mai nicht. Dafür ist zu viel passiert.

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