München – Nick Weiler-Babb zögerte kurz, als würde er in sich hineinhören. „Nein, eigentlich fühlt es sich nicht anders an als in den letzten Jahren“, befand der Defensivspezialist der Basketballer des FC Bayern. Doch ob es vielleicht doch anders ist – es dürfte mitentscheidend sein, was für Weiler-Babb und Kollegen in den nächsten Wochen noch herausspringen wird. In der Halbfinalserie, die am Sonntag (18 Uhr) mit dem ersten Heimspiel gegen ratiopharm Ulm beginnt. Und am liebsten auch im Finale, wenn es um die Nachfolge für den entthronten Serienmeister Alba Berlin geht.
Geht es nach Andrea Trinchieri, dann könnte es sich als Trumpfkarte erweisen, dass die Bayern in den letzten Wochen eher eine Politik des Energiesparens betrieben hatten. In der Euroleague war nach der Hauptrunde Schluss. Und auch die BBL ließ man austrudeln, als der dritte Platz amtlich war.
„Diese Spiele haben auf der Anzeigetafel natürlich nicht gut ausgeschaut“, sagte Trinchieri, „aber es könnte jetzt ein Vorteil für uns sein.“ Denn es deutet sich an: Energie könnte im nicht unbedingt erwarteten Halbfinal-Duell mit Ulm zum entscheidenden Faktor werden. Die mit viel Athletik ausgestatten Schwaben drücken aufs Tempo, wo auch immer es geht. Titelverteidiger Alba Berlin wurde das zum Verhängnis. Für Trinchieri ist deshalb klar: „Wir müssen ihre Energie und Intensität matchen.“
Der Italiener ist einer derjenigen Bayern, die den Ulmer Coup gegen die matten Meister aus Berlin am wenigsten überrascht zu haben scheint. Trinchieri berichtete von einem Zusammentreffen mit seinem Widerpart Anton Gavel inmitten einer Ulmer Niederlagenserie. „Ihr werdet gut sein, vertraue mir“, habe er Gavel schon damals gesagt. Der Deutsch-Slowake habe ihm nicht geglaubt – „nun warte ich darauf, dass er mich zum Essen einlädt.“
Aber auch Trinchieri und seine Bayern haben aus dem Viertelfinale durchaus Impulse mitgenommen. Es war ja die große Frage gewesen, wie die Mannschaft in den ersten Ernstfällen gegen Göttingen das Fehlen der Schlüsselfiguren wie Vladimir Lucic oder Othello Hunter kompensieren könne. „Es war klar, dass es nur geht, wenn andere einen Schritt nach vorne machen“, sagte Trinchieri. Es ist ein merklich anderes Spiel, mit dem sich die Bayern in diesen Playoffs bislang zeigen. Erwartbar, wie der Trainer findet, „ich kann schließlich nicht die Hand auflegen, dass Bonga wie Lucic spielt“. Doch gegen Göttingen hat es funktioniert. Und nun? „Müssen wir das Niveau noch einmal anheben, sonst wird es nicht reichen“, sagte Trinchieri.
Dabei könnte es sich natürlich als Vorteil erweisen, dass die Bayern zunächst zweimal Heimrecht haben. Auch wenn Ulm zwei seiner drei Erfolge gegen Alba Berlin in der Hauptstadt einspielte. „Wenn du gewinnst, dann ist es ein Vorteil“, sagte Trinchieri, „wenn nicht, dann ist es ein Nachteil.“
Zumindest hat er alles an Bord, was er nur an Bord haben kann. Auch Andi Obst, der sich gegen Göttingen am Knie verletzt hatte. „Schmerzfrei ist anders“, sagte der Bayern-Kapitän, „aber das wird schon.“ Na dann.