München – Die Weichen für die Zukunft des FC Bayern werden am 30. Mai bekanntlich in Fröttmaning gestellt. Dort findet am frühen Abend in der Allianz Arena die Sitzung des Aufsichtsrats statt. Darum wird der Münchner Fußballtempel an diesem Tag bereits um 16 Uhr geschlossen, danach sind keine Besuche des FC-Bayern-Museums mehr möglich, auch die beliebten Arena-Touren werden dann nicht mehr angeboten.
In einer Loge wird das mächtige Gremium unter dem Vorsitz von Präsident Herbert Hainer tagen, nach den Berichten der Vorstände die verkorkste Saison Revue passieren lassen – und harte Personalentscheidungen treffen. Es geht um nichts weniger als die Zukunft von CEO Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic, die nach der turbulenten Saison mehr denn je in der Kritik stehen. Ein Vorwurf, der dem Duo gemacht wird: Unter ihrer Regie herrschte an der Säbener Straße häufig Unruhe, die ihren Teil zum sportlichen Abschneiden beigetragen hätte. Die Wagenburgmentalität sei gebröckelt.
Dass es zu viele Nebengeräusche in den vergangenen Wochen und Monaten gab, ließ auch Trainer Thomas Tuchel am Freitag durchblicken, als er auf der Pressekonferenz vor dem letzten Saisonspiel in Köln (15.30 Uhr, Sky) sagte: „Die Säbener Straße muss jedoch wieder der Ruhepol der Spieler werden. Jeder muss gerne hierherkommen und wissen, dass er beschützt wird. In einer Atmosphäre der Ruhe und des Schutzes.“
Einer, der in den Gedanken von Aufsichtsratschef Hainer und Ehrenpräsident Uli Hoeneß dafür sorgen könnte, ist der scheidende Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen (unsere Zeitung berichtete). Der 55-Jährige galt zwar lange Zeit als Favorit auf den Geschäftsführerposten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), doch nach dem gescheiterten Investoren-Deal scheint der Weg auf den Bayern-Chefsessel frei. Die Idee dahinter ist ersichtlich: Jemand, der das Unternehmen seit vielen Jahren kennt, soll es stabilisieren.
Unabhängig davon, ob Dreesen als Übergangslösung gesehen wird: Dass der ehemalige Banker schon auf den CEO-Posten schielte, als der Abgang von Karl-Heinz Rummenigge nahte, ist ein offenes Geheimnis im Verein. Doch Patron Hoeneß verfolgte damals einen anderen Plan – und installierte Kahn. Sollte der gebürtige Ostfriese nun übernehmen, würde er das in einer der schwersten Phasen des Clubs tun, inklusive Nebengeräusche. Die Frage: Ist Dreesen die Lösung oder Teil des Problems?
Ihn als CEO zu vermitteln würde schwer werden – sowohl intern als auch extern. Tenor: Es gab ja Gründe, aus denen er gehen musste. Wie unsere Zeitung erfuhr, gehen die Meinungen über „JCD“ innerhalb der Belegschaft auseinander, sogar von einem massiven Widerstand ist die Rede. Eine Möglichkeit für Kahn, sich doch im Amt zu halten? Zwar soll das Wochenende in die finale Entscheidung miteinbezogen werden, doch was wäre es für ein Zeichen, wenn man das Management über Wochen und Monate anzählt, aber keine Konsequenzen zieht? Trainer Tuchel würde gerne mit Kahn und Salihamidzic weiterarbeiten, betont jedoch, dass es die Saison nicht hergebe, „dass wir groß in die Zukunft schauen konnten. Die Leistungen waren zu schlecht, als dass wir über den Tellerrand schauen konnten“.