Diesen Samstag dann mal wieder Radio hören. Weil es der mittlerweile einzige Termin im Jahr ist, an dem alle gleichzeitig spielen in der Bundesliga. Und weil uns das gute alte Dampfradio nostalgisch anrührt. Zwar sitzen jetzt andere Leute an den Mikrofonen, doch es wird sich anfühlen wie damals mit Günther Koch, Jochen Hageleit oder Manni Breuckmann. Gestützt wird diese Zeitreise im Herzen dadurch, dass es ja wirklich mal spannend ist wie in den 90er-Jahren und kein künstlicher Erzählbogen ersonnen werden muss.
Machen wir uns also auf einiges gefasst. Von „Tooorrr in Dortmund“ zu „Tooorrr in Köln“. Danach diese Kommentatoren-Kunstpause, in der wir Hörenden die Stadionkulisse deuten müssen, um herauszufinden, wer das Tor geschossen hat. Bei Tooorrr in Dortmund hat, wenn es laut rüberkommt, untrüglich der BVB getroffen, denn es ist nicht davon auszugehen, dass viele Mainzer den Weg ins Westfalenstadion finden und sich dort artikulieren werden. Hingegen kann ein begeistertes Publikums-Röhren bei Tooorrr in Köln auch bedeuten, dass die Bayern vorgelegt haben. Denn die Münchner stellen immer einen starken Auswärtsblock, der FC Bayern hat überdies Sympathisanten in allen Regionen. Vielleicht ist er für manchen Effzeh-ler und Geißbock-Fan der Zweitverein, an dessen Meisterschaft man sich erfreuen würde – wenn’s für den Lieblingsclub um nichts mehr geht.
Wenn nun zuerst das Tooorrr in Köln fällt und es ein bayerisches ist, wird’s interessant. Prickelnd wäre auch, falls die Minuten wegticken und von nirgendwo die Tooorrr-Nachricht verlautbart wird. Dann könnte, während der BVB sich an Mainz abarbeitet, der Patrik-Andersson-2001-in-Hamburg-Moment näherrücken. Und der Reporter aus Dortmund müsste sich mit der Günther-Koch-Nürnberg-Hommage „Wir melden uns vom Abgrund“ einschalten. Natürlich könnte es auch so laufen, dass der BVB in der ersten Halbzeit dreimal Tooorrr in Dortmund erklingen lässt. So wäre die Meisterfrage wenig aufreibend, man könnte sich dem Abstiegskampf widmen.
Am krassesten wäre, wenn alles in einem Reporter-Schrei gipfelte, der bei Koch-Hageleit-Breuckmann noch nicht zum Repertoire gehörte: ein „VAR in Köln“, „VAR in Dortmund“ in der Nachspielzeit, Rücknahme des Tores, das das entscheidende gewesen wäre. „Kein Tooorrr in Köln“, „kein Tooorrr in Dortmund“.
Guenter.Klein@ovb.net