Tuchel will nach 20 Minuten 3:0 führen

von Redaktion

Bayern nehmen sich standesgemäßen Abschied aus der Saison vor – vielleicht reicht das noch

München Ungewohntes Bild und ungewohnte Tonlage in München. Auf Kampfansagen oder Giftpfeile in Richtung Dortmund verzichtete Thomas Tuchel auf der Pressekonferenz am Freitag. Die Titel-Tiefschläge der vergangenen Wochen haben auch dem Trainer des FC Bayern zugesetzt. Der Rekordmeister steht nach dem Gewinn zehn Schalen in Folge am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in Köln kurz vor der Entthronung.

„Wir müssen gewinnen – und dann brauchen wir Schützenhilfe“, sagte Tuchel zur miesen Ausgangslage. Er sprach von „einer Minimalchance“. Die Bayern müssen bei zwei Punkten Rückstand den 1. FC Köln zwingend besiegen. Gleichzeitig dürfen die heimstarken Dortmunder vor 80 000 Fans im eigenen Stadion gegen Mainz 05 nicht gewinnen. Daran glauben nur noch die Wenigsten. „Ich glaube schon, dass die Spieler diesen Druck spüren werden“, hofft indes Thomas Müller.

Wenigstens die Historie macht den Münchnern etwas Hoffnung: Zweimal schafften die Bayern am letzten Spieltag noch den Sprung auf Platz eins, 1986 und 2000, als Leverkusen sensationell ein paar Kilometer weiter bei der SpVgg Unterhaching verlor (eingeleitet durch ein Eigentor von Bayer-Jungstar Michael Ballack), während die Bayern im Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart ihre Siegpflicht erfüllten.

„Es kann alles passieren, in jedem Spiel“, weiß auch Tuchel und zählte auf: „Es muss nur eine kleine Unaufmerksamkeit geben. Es kann Rote Karten, Elfmeterentscheidungen, Standardsituationen, Rückstände geben, das kann immer passieren.“

Tuchel machte aber auch deutlich: „Das wird keine befriedigende Saison mehr, aber wir müssen das zu Ende bringen. Egal, wie es im anderen Stadion steht. Für den FC Bayern geben wir alles.“

Die interne Marschrichtung ist klar: Drei Punkte sind aus Münchner Sicht Pflicht. Unabhängig davon, wie es in Dortmund ausgehen sollte. Denn das ohnehin schon stark verunsicherte Team will sich nicht vorwerfen lassen, im Falle eines BVB-Patzers nicht zur Stelle gewesen zu sein. Platz zwei wäre dann eine noch bitterere Erfahrung. „Unser Fokus liegt voll darauf, die drei Punkte mitzunehmen. Der Rest liegt in der Hand des Fußballgotts“, so Müller.

Es passt, dass die Kölner in der Bundesliga gegen keine andere Mannschaft häufiger verloren haben als gegen den FC Bayern, nämlich 25 Mal. „Wenn wir spielen, dann spielen wir all-in. Ich erwarte einen sehr motivierten Gegner. 3:0 nach 20 Minuten ist aber das Ziel“, betonte Tuchel, der in Köln wieder auf Toptorschütze Eric Maxim Choupo-Moting (zuletzt Knieprobleme) zurückgreifen kann. „Er ist bereit.“

Der Münchner Rathaus-Balkon ist für Sonntag jedenfalls noch reserviert. Oberbürgermeister Dieter Reiter lädt den FC Bayern zum traditionellen Empfang – sofern er die Meisterschale zum elften Mal in Folge mitbringt.  bok, pk

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