Bayern mit dem Rücken zur Wand

von Redaktion

88:93 – Basketballer verlieren auch das zweite Halbfinale und stehen vor dem Saison-Aus

VON PATRICK REICHELT

München – Hallensprecher Thomas Kilian versuchte alles. Minutenlang heizte der Animateur des FC Bayern Basketball die Fangemeinde an. Alleine, am bösen Spiel konnte auch er nicht mehr viel ändern. Die Bayern legten zwar noch einen furiosen Schlussspurt hin. Doch am Ende stand mit 88:93 (39:44) die nächste Pleite gegen ratiopharm Ulm. 0:2 also in der Serie nach dem Modus best of 5 – vor dem Umzug nach Ulm am Freitag (19 Uhr) riecht es nach Saison-Aus.

Nach dem schwer missratenen Halbfinal-Auftakt hatte Bayern-Trainer Andrea Trinchieri ja der letzten Viertelstunde hinterhergetrauert, in der seine Schützlinge aus dem Match gedriftet seien. So gesehen waren seine Bayern beim Wiedersehen am Dienstag ziemlich konsequent und nahmen sich die erste Viertelstunde um in die Partei hinein zu driften.

Ulm? Das gar nicht mehr so überraschende Überraschungsteam der BBL tat das, was es dieser Tage meistens tut. Man ging ins Spiel wie ein zorniger Bienenschwarm, mit viel Intensität und Aggressivität. Schon nach wenigen Minuten hatten die Spieler Um das brasilianische Edel-Duo Yago dos Santos und Bruno Caboclo so ziemlich alles auf ihre Seite gebracht, was man im Basketball mit Physis auf seine Seite bringen kann. Ballgewinne, Rebounds – vor allem Letzteres war im Saisonverlauf eine Münchner Spezialität.

Aber es stellte sich ja bald heraus, dass auch das Ulmer Spiel durchaus irdisch war. Als die Bayern die Zügel langsam anzogen, erwies sich auch der Euroleague-Teilnehmer-Schreck aus Schwaben als durchaus verwundbar. Andi Obst & Co hätten mit etwas mehr Konsequenz durchaus mit einer Führung in die Pause gehen können. Doch der Österreicher Thomas Klepeisz machte vom Parkplatz aus zwei Ulmer Punkten deren fünf (44:39).

In Momenten wie diesen weist Trinchieri ja gerne auf die Abwesenheit seiner Führungsspieler Vladimir Lucic und Othello Hunter hin, Ja, mag schon sein, dass die beiden Leitwölfe dem Pokalsieger hätten in die Spur helfen können. Doch die beiden sind aus bekannten Gründen nicht an Bord – und es ist schon ein bisschen beängstigend, wie leicht der immer noch illustre Kader sich in diesen Halbfinaltagen aus dem Tritt bringen lässt.

Zwei, drei missratene Aktionen auf der einen Seite, ein bisschen Spektakel auf der anderen – schon weicht die Luft aus dem Bayern-Team wie aus einem kaputten Reifen. Immerhin: diesmal hatte man Obst, den Kapitän, der die Seinen mit 34 Punkten fast im Alleingang über Wasser hielt.

Und so schwangen sich die Münchner immerhin noch zu einem versöhnlichen Schlussspurt auf, der in einem längst verloren geglaubten Spiel zeitweise noch einmal Hoffnung aufkeimen ließ. Doch Yago dos Santos machte Sekunden vor der Schlusssirene mit energischem Korbleger den Ulmer Sieg perfekt.

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