Bitteres Nachspiel für den Titan

von Redaktion

Hoeneß: Ernennung Kahns als „CEO“ war ein Fehler – Enge Mitarbeiter verlassen den Verein

VON M. BONKE, P. KESSLER UND H. RAIF

München – Es kommt nicht oft vor, dass sich Uli Hoeneß Fehler so offen eingesteht, wie er es im Falle von Oliver Kahn tut. Zur Erinnerung: Die Inthronisierung des ehemaligen Weltklasse-Torhüters als CEO des FC Bayern war die Idee des Ehrenpräsidenten. „Die große Enttäuschung liegt darin, dass ich gedacht habe, er könnte das Amt qua seiner Persönlichkeit allein ausfüllen, doch er hat sich stattdessen mit seinen Beratern umgeben“, sagte er dem Kicker.

Diese hätten laut Hoeneß für eine „katastrophal schlechte Stimmung“ im Verein gesorgt. Namen nannte der Bayern-Patron zwar keine, aber Kahn installierte in der Tat einige Vertraute im Club, deren Auftreten vor allem bei langjährigen Mitarbeitern für Kopfschütteln sorgte. Den Großteil seiner Vertrauten brachte Kahn im sogenannten „Strategie-Team“ unter. Ihre Aufgabe: Das Zukunftsprojekt FC Bayern AHEAD entwickeln.

In einschlägigen Karriere-Netzwerken wie LinkedIn präsentieren sich besagte Mitarbeiter – die zuvor vornehmlich bei den Unternehmensberater-Agenturen Bain & Company und McKinsey tätig waren – als „Leading Expert Strategy and Business Development“. Angeführt wurde das Strategie-Team von Dr. Daniel Högele, der früher ebenfalls bei McKinsey arbeitete, aber schon seit knapp zehn Jahren für den deutschen Rekordmeister tätig ist.

Lange Zeit war er die rechte Hand von Ex-Internationalisierungsvorstand Jörg Wacker, ehe er im Dezember zum „Direktor Corporate Strategy & Business Development“ aufstieg. Mit Titeln wird beim FC Bayern auch abseits des Platzes nicht gegeizt. Wie unsere Zeitung erfuhr, sollen einige von ihnen nach dem Aus von Kahn den FC Bayern ebenfalls verlassen. Einer, den es wohl treffen wird: Moritz Mattes, der den exotischen Titel „Chief of Staff“ trug, auf den Fluren der Säbener Straße aber vor allem als Büroleiter und engster Vertrauter des ehemaligen Vorstandschefs wahrgenommen wurde.

Wer einen Termin beim Titan wollte, musste diesen bei Mattes anmelden, der die „internen Anfragen“ im Anschluss sortierte und den Zugang zum Vorstandschef somit stark reglementierte. Mit der Zeit stieg der Schattenmann von Kahn im Unternehmen zum Geschäftsführer der FC Bayern Munich International GmbH auf.

Kahn und Mattes blicken auf eine jahrelange gemeinsame Berufskarriere zurück. Das Duo gründete gemeinsam das Unternehmen Goalplay. Kahn war das Gesicht der Firma, die eine App für Torwarttraining entwickelt hatte. Mattes zog im Hintergrund die Fäden. Als der FC Bayern anklopfte, sollen den Titan dem Vernehmen nach die Gewissensbisse geplagt haben: Mattes hatte damals seine bisherige berufliche Existenz für das Projekt aufgegeben.

Zwar ist Kahn noch Gesellschafter von Goalplay, doch seinen Posten als Geschäftsführer musste er wegen seiner CEO-Tätigkeit abgeben – und brachte Mattes an der Säbener Straße unter. Nun werden beide wohl in ein neues berufliches Abenteuer starten (müssen).

Terminverwalter des Titans

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