München – Das Konfetti lag auf dem Rasen des Campus-Stadions, die Spielerinnen spurteten mit ihren Medaillen um den Hals und der Meisterschale in den Händen in die Kabine, um rechtzeitig den Bus zu den Feierlichkeiten auf dem Rathausbalkon zu erwischen. Unmittelbar nach dem Gewinn der Meisterschaft am Sonntag, mitten im Trubel, richtete sich der Blick der Verantwortlichen bei den Frauen des FC Bayern schon wieder nach vorne.
Trainer Alexander Straus, das T-Shirt nass von dem verspritzten Mineralwasser, redete erneut über den Entwicklungsprozess, in dem sich seine Mannschaft trotz des Titelgewinns noch befinde. Auch Bianca Rech, die bislang Sportdirektorin war und jetzt die Nachfolge der verabschiedeten Abteilungsleiterin Karin Danner angetreten hat, sprach nach dem Titelgewinn von „einem sehr guten Entwicklungsschritt“, den die Mannschaft genommen habe. „Man merkt, dass da etwas passiert. Dass wir eine neue Idee entwickeln. Wir stehen noch am Anfang“, sagte Rech.
Der Trainer hatte im vergangenen Sommer einen Kaltstart in München hingelegt. Sieben Spielerinnen inklusive Neuzugang Georgia Stanway waren nach dem EM-Finale erst spät nach München gekommen, viel Zeit zur Vorbereitung blieb nicht. „Es war ein schwieriger Prozess, aber ich bin so stolz auf die Mannschaft. Ich liebe diesen Verein. Wir haben ein bisschen gebraucht, bis alle die Philosophie umsetzen konnten. Ich war immer davon überzeugt, wir haben tolle Spielerinnen“, sagte Straus. Eine schwierige erste Saison unter dem neuen Trainer war durchaus einkalkuliert worden, mit dem Gewinn der Meisterschaft sind die Bayern-Frauen nun ihrem eigenen Plan voraus. „Da wollen wir weitermachen“, versprach Rech: „Wir jetzt sind Deutscher Meister, wir wollen nächste Saison wieder Deutscher Meister werden. Ein DFB-Pokal-Finale in Köln wäre auch mal wieder schön. Und in Europa würden wir gerne ein Zeichen setzen. Dafür arbeiten wir jetzt. Wir werden im September wieder angreifen.“
Die Mannschaft, mit der diese Ziele erreicht werden sollen, nimmt so langsam Formen an. Verabschiedet wurden am Sonntag Laura Benkarth, Ivana Rudelic, Emelyne Laurent und Saki Kumagai, regelmäßig zum Einsatz gekommen war von diesem Quartett nur die Japanerin. Die vielseitig einsetzbare Flügelspielerin Maximiliane Rall verlängerte ihren Vertrag unmittelbar vor dem Saisonfinale um ein weiteres Jahr, Giulia Gwinn kehrt nach überstandenem Kreuzbandriss zum Team zurück. In den nächsten 14 Tagen sollen laut Rech Neuzugänge präsentiert werden, vermutlich wird der FC Bayern dann auch die beiden Top-Transfers von Pernille Harder und Magdalena Eriksson offiziell verkünden. Bereits gestern wurde bekannt, dass die schottische Nationalspielerin Samantha Kerr nach München wechselt. Die Mittelfeldspielerin unterschreibt einen Vertrag bis 2026.
Viel Zeit zur Vorbereitung mit den neuen Spielerinnen wird aber auch in diesem Sommer nicht bleiben. Zwischen dem Finale der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland am 20. August und der ersten Runde des DFB-Pokals liegen kaum mehr als zwei Wochen. Da die Meistermannschaft im Kern aber fast komplett zusammenbleibt, sollte die Aufgabe diesmal dann doch ein wenig leichter zu bewältigen sein.