Paris – Alexander Zverev lächelte breit und sonnte sich im warmen Applaus des Pariser Publikums. „Es ist schön, wieder zurück zu sein“, sagte er nach dem gelungenen Comeback am Ort seines großen Traumas. 361 Tage nach der Horrorverletzung im Halbfinale hat der Olympiasieger seine Auftakthürde bei den French Open gemeistert – wenn auch mit Mühe.
„Ich bin glücklich in drei Sätzen gewonnen zu haben, aber ich weiß, dass ich besser werden muss“, gestand Zverev, der in Paris nach schwierigen Monaten auf einen Befreiungsschlag hofft. Das 7:6 (8:6), 7:6 (7:0), 6:1 gegen den Südafrikaner Lloyd Harris war zumindest der erste kleine Schritt in die richtige Richtung. In der zweiten Runde wartet nun der ungesetzte Slowake Alex Molcan.
„Er arbeitet ja hart, er ist diszipliniert, und irgendwann wird auch die Form kommen“, gab sich Tennis-Legende Boris Becker am Eurosport-Mikrofon optimistisch. Und auch Zverev macht sich keine Sorgen – trotz der ausbaufähigen Leistung. „Ich habe noch nie in meinem Leben bei einem Grand Slam eine gute erste Runde gehabt“, sagte er im Presseraum, den er wenig später an der Seite von Bruder Mischa und dessen gleichnamigen Sohn betrat.
Am Tag nach dem bitteren Aus des zweiten deutschen Hoffnungsträgers Jan-Lennard Struff, der dem Tschechen Jiri Lehecka in einem Fünfsatz-Krimi unterlegen war, fand Zverev auf dem Court Simonne-Mathieu in Roland Garros nur schwer in die Partie. Bemerkenswerte 20 vermeidbare Fehler produzierte er im ersten Durchgang – seine Returns, die er immer wieder weit hinter der Grundlinie nahm, strahlten keinerlei Gefahr aus. Immerhin: In den entscheidenden Momenten stimmte der Kampfgeist – Zverev zitterte sich zweimal im Tiebreak zum Satzgewinn.
Seit der dramatischen Fußverletzung im Halbfinale 2022 gegen Rafael Nadal, als er auf dem spielerischen Höhepunkt seiner Laufbahn folgenschwer umgeknickt und anschließend sieben Monate ausgefallen war, sucht Zverev noch immer nach seiner Topform.
Für den Kopf war die Rückkehr nach Paris aber kein Problem: „Das spielt keine Rolle. Solange ich keine Schmerzen habe, ist bei mir alles gut“, sagte der 26-Jährige. Im dritten Satz ließ Zverev, der über die gesamte Spieldauer immerhin mit seinem Aufschlag zu überzeugen wusste, dann nichts mehr anbrennen: „Wenn dieser Baustein jetzt schon passt, dann ist das sehr wichtig, denn der Aufschlag ist die Grundlage für sein Spiel“, lobte Becker. Nach dem fast schon obligatorisch mühevollen Grand-Slam-Auftakt wartet nun in Molcan eine weitere machbare Aufgabe, ehe es in Runde drei gegen Topspieler Frances Tiafoe (USA/Nr. 12) gehen könnte.
Schon ausgeschieden ist derweil Daniel Medwedew, vor kurzem noch beim Sandplatz-Masters in Rom erfolgreich,. Er scheiterte sensationell in der ersten Runde gegen den 172. der Weltrangliste, Thiago Seyboth Wild aus Brasilien.
Der Kampfgeist stimmte – Zverev zeigt die Faust