von Redaktion

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Leon Goretzka konnte es gar nicht abwarten, in den Urlaub nach Ibiza zu fliegen. So lässt sich zumindest das jüngste Bild interpretieren, das der Mittelfeldspieler des FC Bayern auf der Foto-Plattform Instagram hoch lud. Es zeigt einen Teller Trüffel-Risotto, im Hintergrund sieht man die Urlaubstruppe des Münchners, die sich das Menü des Privatkochs Marlyndy Gomes schmecken lassen. Ein rotes Herz ziert das Foto.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Goretzka die zurückliegende Saison so schnell wie möglich hinter sich lassen möchte. Für den 28-Jährigen ist es eine Spielzeit zum Vergessen, wie ihm der dramatische letzte Spieltag in Köln noch einmal knallhart vor Augen geführt hat. Beim 2:1-Meisterfinale in der Domstadt musste der Nationalspieler erst seinen Stammplatz im zentralen Mittelfeld für den 21-jährigen Ryan Gravenberch räumen, eher er in der 71. Minute eingewechselt wurde, um 240 Sekunden nach dem 1:1 (81. Minute) wieder auf der Bank Platz zu nehmen. Für den selbstbewussten Muskel-Mann nicht nur die Höchststrafe, sondern ein klarer Fingerzeig von Trainer Thomas Tuchel für die neue Saison.

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten die Reaktionen des Fußballlehrers auf Aktionen seines Schülers aufmerksam beobachtet hat, der dürfte zu folgender Schlussfolgerung kommen: Tuchel hat für Goretzkas Spielweise wenig übrig. Das war vor allem bei der Heimpleite gegen Leipzig am vorletzten Spieltag ersichtlich, als der Trainer seinen Spieler mehrmals lautstark an der Seitenlinie zusammenfaltete. Vor der Weltmeisterschaft in Katar verpasste Goretzka die ersten vier Saisonspielen wegen einer Knie-Operation und verlor seinen Stammplatz zwischenzeitlich an Marcel Sabitzer. Bis zur WM-Pause steuerte er in der Bundesliga drei Treffer und eine Torvorlage bei. In der Rückrunde ging seine Torgefahr völlig flöten, ihm gelangen lediglich zwei Assists.

Die Aufgabenteilung mit Nebenmann Joshua Kimmich (28) wirkte alles andere als homogen. Das ist auch den alten und neuen Entscheidern um Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Rummenigge nicht verborgen geblieben. Darum gibt es nach Informationen unserer Zeitung Überlegungen an der Säbener Straße, dass Mittelfeld-Duo Kimmich/Goretzka zu sprengen. Tenor: Das Zusammenspiel beider passe nicht mehr. Und diese Entscheidung wird wohl auf dem muskulöseren Rücken ausgetragen. Denn: Mit Wunsch-Sechser Declan Rice (24/ West Ham United) führte Tuchel bereits Gespräche – und Kimmich sieht er ohnehin mehr auf der Achter-Position. Weil mit Konrad Laimer (26) von der Positionierung her ein ähnlicher Spielertyp nach München wechselt, wird die bayerische Luft für Goretzka immer dünner – der FC Liverpool könnte ein potentieller Abnehmer sein. Zumal der geschasste Sportvorstand Hasan Salihamidzic intern bis zuletzt seine Hand schützend über den Mittelfeldakteur hielt.

Prinzipiell genießt „Gore“ große Wertschätzung im Club. Aber: Einigen Entscheidungsträgern stieß es schon länger sauer auf, dass sich Goretzka zum politischen Aushängeschild des deutschen Fußballs hoch stilisieren lässt, statt sich in erster Linie auf den Sport zu konzentrieren. Zur Einordnung: Raphael Brinkert, der ihn in PR- und Marketingfragen berät, ist eng mit der SPD verbandelt und unterstützt die Partei mit seiner Agentur „brinkertlück“ bei der diesjährigen Landtagswahl in Bayern. Sollte Goretzka in München bleiben, sei ihm geraten, sich nicht als prominentes Wahlkampf-Instrument vor den Karren spannen zu lassen.

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