Bayern auf der Suche nach sich selbst

von Redaktion

BBL-HALBFINALE Basketballer müssen sich in Ulm vor allem auf physische Qualitäten besinnen

VON PATRICK REICHELT

München – Auf dem Heimweg mussten die Basketballer des FC Bayern auch noch den Spott über sich ergehen lassen. Ulmer Fans hatten an der Ausfahrt des Audi Dome Aufstellung genommen und winkten den geschlagenen Münchnern bei deren Abfahrt mit weißen Taschentüchern hinterher. Schon als ersten Vorgeschmack auf die Dinge, die nach dem dritten Halbfinale am Freitag (19 Uhr) in Ulm kommen könnten. Zumindest Bayern-Trainer Andrea Trinchieri, für den das 88:93 in Spiel zwei der letzte Auftritt im Audi Dome gewesen sein könnte, will davon noch nichts hören. „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist“, betonte der Italiener. Doch wenn der wankende Pokalsieger tatsächlich noch mal in die Serie zurückkehren will, muss einiges passieren. Allem voran:

Die Intensität: Ja, sie hatten die eine oder andere gute Phase in den verkorksten Heimspielen. Doch dem Plan, mit dem die müden Bayern in dieses Halbfinale gestartet waren („Wir müssen ihre Intensität matchen“), blieben sie nur im Schlussviertel von Spiel zwei treu. Auffällig, dass der wacker kämpfende Kapitän Andreas Obst nach beiden Niederlagen das Gleiche erzählte. Nach guten Phasen vor der Halbzeit sei man danach „zu locker geworden, wir haben wohl geglaubt, es wird schon irgendwie laufen“. Lief es nicht. Immerhin: Am Dienstag zeigten die Bayern so etwas wie Überlebenswillen. Aggressivität und Intensität machten prompt auch auf den bis dahin munter wirbelnden Gegner Eindruck. Auch Obst ahnte: „Daran müssen wir am Freitag anknüpfen.“ Die Besinnung auf alte Stärken inklusive. Über eine Saison hinweg waren die Bayern beispielsweise ein starkes Reboundteam. In den beiden Heimspielen gegen Ulm zogen sie auch in dieser Kategorie über weite Strecken den Kürzeren.

Konzentration und Kreativität: Zugegeben, es ist gegen wie aufgezogen verteidigende Ulmer wie den Ex-Bayern Karim Jallow nicht ganz einfach – aber die Münchner müssen den Ball besser kreisen lassen. Auch vermeintliche Ideengeber wie Cassius Winston verzettelten sich allzu oft in Einzelaktionen. 13 Assists – die meisten (3) ausgerechnet vom zuletzt noch eher kaltgestellten DJ Seeley. Und die Bayern werden besser auf das Spielgerät aufpassen müssen. 21 Ballverluste wie am Dienstag sind zu viele. Denn auch dadurch eröffneten sich Ulm zusätzliche Wurfchancen. 18 Würfe mehr hatten Gavels Profis letztlich in der Statistik stehen – schwer, ein Spiel unter diesen Umständen zu gewinnen.

Die Anführer: Othello Hunter versuchte es von außen, verpasste den Kollegen sogar in einer Auszeit einen ordentlichen Anpfiff. Prompt starteten die auch zu ihrer verzweifelten Aufholjagd durch. Und auf dem Feld? War Andreas Obst, der Anführerqualitäten zeigte. Und so gut traf, dass am Ende sogar Ulms Coach Anton Gavel mit den Schultern zuckte: „Wir haben es versucht, aber wir haben nicht die Mittel gefunden, ihn zu stoppen.“ Doch Obst alleine wird es bei der Fortsetzung des Halbfinals in Ulm nicht richten können. Kandidaten gäbe es auch ohne die verletzten Hunter und Vladimir Lucic noch genug. Ob Pokal-MVP Nick Weiler-Babb, der NBA-erprobte Isaac Bonga, die Routiniers Niels Giffey oder Elias Harris – die Bayern haben immer noch genug Kräfte, die sich schon auf höchstem Niveau bewiesen haben.

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