Paris/München – Vor seinem Training am spielfreien Tag nahm sich Alexander Zverev noch kurz Zeit für die Fans und posierte gut gelaunt für Fotos. Nach dem geglückten Auftakt bei den French Open verbreitet Zverev in Paris derzeit eine gesunde Portion Optimismus. „Sechs weitere Siege in den nächsten zwei Wochen wären gut“, antwortete Deutschlands bester Tennisspieler auf die Frage, was er sich für die kommenden Tage in Paris erhoffe.
Sechs Siege, die Zverev trennen von seinem großen Traum namens Grand-Slam-Titel. Der Weg dahin freilich ist weit. Sehr weit. Das weiß auch Zverev, dessen Antwort wohl mit einem leichten Augenzwinkern zu verstehen war – und dennoch: Nach dem erfolgreichen Comeback am Ort seines größten Traumas, der schweren Knöchelverletzung vor einem Jahr, scheint zumindest der Glaube an die eigene Stärke zurück zu sein.
„Ich bin glücklich, hier zu sein, und fühle mich gut“, sagte Zverev, dem auch die durchaus ausbaufähige Leistung beim Dreisatzsieg in der ersten Runde gegen den Südafrikaner Lloyd Harris keine Sorgen bereitet. „Ich habe noch nie in meinem Leben bei einem Grand Slam eine gute erste Runde gehabt“, stellte er lapidar fest.
Er wird sich deutlich steigern müssen, die kommenden Aufgaben werden kniffliger. Am Donnerstag trifft Zverev auf den Slowaken Alex Molcan, einen alten Bekannten aus Jugendtagen, der sich zuletzt in starker Verfassung präsentierte. Anschließend könnte eine erste Reifeprüfung gegen den starken US-Amerikaner Frances Tiafoe (Nr. 12) warten.
Der Olympiasieger ist nicht der einzige Deutsche, der am Donnerstag um den Einzug in die dritte Runde von Paris kämpft. Yannick Hanfmann musste sich nach Mitternacht in Paris erst einmal sortieren. „Den Tag heute werde ich nie vergessen“, sagte der Karlsruher, nachdem er sich den sportlichen Traum eines Fünfsatzsieges bei einem Grand Slam erfüllt hatte: „Ich habe so was Geiles geleistet.“
Hanfmann hatte mit einer erstaunlichen Energieleistung in knapp fünf Stunden Spielzeit 6:3, 7:5, 6:7 (6:8), 6:7 (2:7), 6:4 gegen den Brasilianer Thiago Monteiro gewonnen und erstmals die zweite Runde der French Open erreicht. Eigentlich war er bereits im Quali-Finale gescheitert, rutschte aber als sogenannter Lucky Loser noch ins Hauptfeld und drehte in seinem Erstrundenmatch ein 1:4 im entscheidenden Durchgang.
„Ich glaube, dass ich ein bisschen auf einer kleinen Welle reite, und hoffe, das ich sie so weit wie möglich reiten kann“, sagte Hanfmann, der nach dem überraschenden Viertelfinaleinzug beim Masters von Rom mit Rang 64 der Weltrangliste seinen bisherigen Bestwert erreichte. Tendenz steigend. Für seine erfolgreichste Karrierephase nahm der 31-Jährige einen langen Anlauf. In seiner Jugend spielte der Rechtshänder auch Fußball beim Karlsruher SC, entschied sich dann aber auch aufgrund seiner Schwerhörigkeit für das Tennis.
Abseits des Platzes trägt Hanfmann ein Hörgerät, im Duell mit seinen Gegnern verzichtet er aber darauf. „Das wäre heute zuviel gewesen, system overload“, sagte Hanfmann schmunzelnd nach dem Erfolg gegen Monteiro.
Unterdessen glaubt Daniel Altmaier an seine Chance gegen Topspieler Jannik Sinner: „Ich gehe auf den Platz, um das Spiel zu gewinnen“, sagte er vor der Revanche gegen den Italiener, den er bei den US Open 2022 am Rande einer Niederlage hatte. Anna-Lena Friedsam fordert als letzte verbliebene deutsche Frau in der Einzelkonkurrenz die an Position 23 gesetzte Jekaterina Alexandrowa. sid