TV-KRITIK
So was hat man lange nicht gesehen! Das ZDF will zwar kein Geld für die Frauen-WM rausrücken. Für die erste Übertragung eines Männer-Pokalfinales im Zweiten seit 2012 hat der Bimbes dagegen noch gereicht. Mit Katrin Müller-Hohenstein, die sich ein arg großes Flieder-Sakko von der Altkanzlerin geborgt hatte, wirkte das Zweite aber, als wäre es nie weg gewesen. – Wie gut war KMH vorbereitet? Exzellent! Die Fliederfrau hatte den DFB-Pokal vermessen und gab bekannt: „54 Zentimeter groß, 5,7 Kilogramm schwer.“ (Wir kommen später darauf zurück). Und sie unterrichtete Deutschland darüber, wie man den Frankfurt-Franzosen fachfrauisch ausspricht: „Kolo-Müüanii“. Magnifique, Cherie! Katrins cleverste Idee war aber das Tragen der Flieder-Turnschuhe „Mount Fuji“ mit eingebautem Sechs-Zentimeter-Absatz. So war sie mehr auf Augenhöhe mit ihrem rund 2,29 Meter großen Experten Per Mertesacker. Der nur zwei DFB-Pokale hohe Max Eberl musste dagegen zum Per aufschauen wie ein Wanderer auf den Gipfel der Zugspitze. Auf Twitter haben wir gelesen: Max Eberl ist so klein – vielleicht holt ihn Uli Hoeneß als Bayern-Torwart. – Wie gut war Per Mertesacker vorbereitet? Bestimmt auch gut, man hat es nur weniger gemerkt. Er allgemeinplatzelte tapfer: „Verlängerung und Elfmeterschießen wären ein sehr emotionales und würdiges Ende dieser tollen Saison.“ Das war fast so erkenntnisreich wie die Analysen des stocklangweiligen Co-Kommentators Hanno Balitsch, der in der 13. (!) Minute herausfand: „Noch 0:0, alles offen.“ Ach, ZDF – wo ist Christoph Kramer, wenn man ihn braucht? Oder wenigstens ein Tonausfall? – Wie gut war Olli Schmidt vorbereitet? Am allerbesten! Er hatte den Pokal vorsichtshalber noch mal nachgemessen und teilte (korrekt) mit: „52 Zentimeter hoch.“ Seit der Katrin-Messung war der Pott also innerhalb einer halben Stunde um zwei Zentimeter eingegangen. Da hat man sich schon gefreut: Haha, wenn Red Bull gewinnt, ist vom Schrumpf-Pokal nichts mehr übrig. Am Ende fand der Olli wohltuend klare Worte zum Brause-Produkt aus Fuschl, das den ÖFB-Pokal, pardon, den DFB-Pokal gewonnen hat: „Das ist jetzt kein Fußballmärchen fürs Herz. Da war erst die Dose, und dann kam der Club.“ Das war schön, das hätte auch Béla Réthy sagen können JÖRG HEINRICH