München – Als Hasan Salihamidzic vor nicht all zu langer Zeit noch Sportvorstand des FC Bayern war, trat er bei der Kaderplanung stets gemeinsam im Transfer-Tandem mit seinem Technischen Direktor Marco Neppe auf. Um Wunschspieler von einem Wechsel nach München final zu überzeugen, wurde auch mal der Trainer mit auf Reisen genommen. So geschehen auch vor einigen Wochen, als Salihamidzic, Neppe und Thomas Tuchel gemeinsam nach London reisten, um Declan Rice (24) zu einem Wechsel zu bewegen.
Doch Brazzo ist an der Säbener Straße mittlerweile Geschichte und so tagt nun ein regelrechter Transfer-Rat, um Stars in die bayerische Landeshauptstadt zu locken. Neben Tuchel gehören die beiden Aufsichtsräte Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge dazu, ebenso wie Präsident Herbert Hainer, CEO Jan-Christan Dreesen, Finanzvorstand Michael Diederich – und Neppe.
Letzterer führt gemeinsam mit Hoeneß und Rummenigge Gespräche mit den Beratern und Spielern. Brazzos rechte Hand darf also (vorerst) bleiben. „Tuchel wird eine wichtige Rolle spielen bei der Entscheidungsfindung, aber er wird jetzt sicher nicht zu den Clubs oder Beratern fahren und Verhandlungen führen“, erklärt der Ehrenpräsident gegenüber der SZ das Vorgehen. Obwohl Tuchel also mehr Mitsprache-Recht hat als je ein Bayern-Trainer zuvor, würde es laut Hoeneß „nicht dem Modell des FC Bayern entsprechen, wenn der Trainer wie ein Team-Manager in der Premier League agiert“.
Für Weltmeister-Trainer Joachim Löw steht außer Frage, dass Tuchel eng in die Personalplanung eingebunden wird. „Er muss mit den Spielern arbeiten. Im Idealfall arbeiten mehr Personen zusammen und sind sich in dem Denken einig. Am Ende hat das Wort des Trainers immer ein hohes Gewicht“, sagte der Bundestrainer a. D. im Gespräch bei Bild TV. In den Ideen von Tuchel spielen neben Rice auch die beiden Angreifer Dusan Vlahovic (23/Juventus Turin) und Randal Kolo Muani (24/Eintracht Frankfurt) eine Rolle. Und einen klassischen Mittelstürmer erachtet auch Hoeneß als unverzichtbar: „Klar ist, dass wir einen Neuner brauchen. ein Neuner ist im Fußball lebenswichtig.“
Aber eben auch teuer – und heiß begehrt. In den Poker um Kolo Muani, von dem sich die Frankfurter Einnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro erhoffen, und den Hoeneß als sehr guten Spieler bezeichnet, ist mittlerweile auch Manchester United eingestiegen. Laut The Athletic soll es sogar erste detaillierte Gespräche gegeben haben. Bei Vlahovic, von dessen Qualitäten Salihamidzic nie überzeugt war, scheinen die Münchner aktuell in der Pole Position.
Juve-Trainer Massimo Allegri hält sich bei diesem Thema bedeckt: „Ich spreche nicht über den Transfermarkt, der Club wird sich darum kümmern. Ich kann nur Ratschläge geben. Vlahovic hat trotz seiner Verletzung und Schwierigkeiten zehn Tore geschossen. Er hat das Potenzial für eine hervorragende Karriere.“
Die Planungen der Bayern-Bosse laufen auf Hochtouren, um nächste Saison nicht wieder ein Herzschlagfinale wie heuer gegen Borussia Dortmund heraufzubeschwören. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke blickt in der Bild am Sonntag schon mal voraus: „Borussia Dortmund muss overperformen, Bayern muss underperformen – und wenn beide normal abliefern, wird Bayern eben zum zwölften Mal Meister.“