Hamburg – Tragödie bei der Ironman-Europameisterschaft in Hamburg: Noch an der Unfallstelle ist der 70 Jahre alte Fahrer eines Begleit-Motorrads nach einem Zusammenstoß mit einem Amateursportler (26) seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Hobbysportler, im Moment der Kollision mit dem Rad unterwegs, erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen. Ein 50 Jahre alter Kameramann, der ebenfalls auf dem Motorrad saß, kam mit leichteren Blessuren und einem Schock davon. Da er mit dem Rücken zur Fahrtrichtung filmte, konnte er keine Angaben zum Unfallhergang machen.
Trotz des Todesfalls wurde der Wettkampf nicht abgebrochen. Olympiasieger Jan Frodeno belegte bei seinem letzten Rennen auf deutschem Boden Platz vier. Der Sieg ging an Titelverteidiger Denis Chevrot aus Frankreich vor dem Belgier Pieter Heemeryck und Kristian Högenhaus aus Dänemark.
„Es war unfassbar eng, eine völlige Farce. Ich war direkt nebenan und habe das Fahrrad in gefühlt tausend Teile zerspringen sehen. Ich weiß, dass das immer medial begleitet werden muss, aber die Athleten-Sicherheit muss vorgehen“, sagte Frodeno. Er habe erst im Ziel erfahren, dass der Motorradfahrer nicht überlebt habe.
Die tödliche Kollision ereignete sich gegen 8.45 Uhr am Spadenländer Hauptdeich im Hamburger Stadtteil Ochsenwerder. Kurz hinter dem Wendepunkt der Radstrecke prallten die Unfallbeteiligten aufeinander. Vor Ort waren ein Hubschrauber und 20 Rettungskräfte im Einsatz.
Wie es zu dem Unfall kommen konnte, soll nun schnell ermittelt werden. Ex-Weltmeister Sebastian Kienle an, der für die ARD als Co-Kommentator im Einsatz war, meinte: „Es sind viel zu viele Motorräder unterwegs.“
Der Ausrichter hatte nicht die Entscheidungsgewalt, das Rennen abzubrechen. Die lag bei der veranstaltenden World Triathlon Corporation in den USA. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Tampa, zum Zeitpunkt es Unglücks war es in Florida kurz vor 3.00 Uhr. Die offizielle Siegerehrung fiel aber aus, die für den Abend geplante EM-Party wurde abgesagt.
Die Straßensperrung führte zu äußerst skurrilen Szenen. Die EM-Teilnehmer und auch die Hobbyathleten mussten ihre Fahrräder auf den Deich wuchten und auf der Deichkrone an der Unfallstelle vorbeischieben. Nachdem ein Polizeisprecher im ARD-Interview den Tod des Motorradfahrers bestätigt hatte, brach der Sender die Online-Übertragung via Livestream wenige Minuten später ab.
Zu diesem Zeitpunkt war schon längst nicht mehr an ein sportlich reguläres Rennen zu denken. Binnen der ersten zwei Stunden dieses Wettkampfs hatte sich eine neunköpfige Spitzengruppe gebildet, der neben Frodeno auch Chevrot sowie die beiden deutschen „Eisenmänner“ Florian Angert (Waiblingen) und Finn Große-Freese (Bayreuth) angehörten.
Beim Übergang vom Radfahren zum Laufen lag noch Högenhaug an der Spitze. Für den 41 Jahre alten Frodeno, der nach dem Schwimmen als Erster aus der Binnenalster stieg, war die EM in der Hansestadt nach langer Verletzungspause der letzte Test vor der WM im September in Nizza. Doch beim abschließenden Laufen waren drei Konkurrenten schneller. sid