Berlin – Mit der Goldmedaille um den Hals sang Christopher Nkunku für seine Instagram-Follower, nach seinem Abschiedsgeschenk an RB Leipzig strahlte der Star wie ein Kronleuchter – ein letztes Mal. Denn über dem zweiten Pokalerfolg des 14 Jahre alten Clubs lag auch die Wehmut des Auseinandergehens der aus Vereinssicht goldenen Generation.
Nkunku, mit 16 Toren Bundesliga-Co-Torschützenkönig, dürfte zum FC Chelsea gehen. „Es könnte sein“, sagte Sportchef Max Eberl nach dem Endspiel, das der französische Torjäger mit einem Tor (71.) und einer Vorlage für Dominik Szoboszlai (85.) fast im Alleingang entschieden hatte. Konrad Laimer, der als Balljäger im Mittelfeld gegen die Eintracht überragte, wird ziemlich sicher zu Bayern München gehen. Sein Vertrag in Leipzig läuft Ende Juni aus. „Ich war sechs Jahre hier, hatte eine richtig schöne Zeit, jetzt am Ende mit zwei Titeln. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ein schöner Abschluss“, sagte Laimer. Neben dem Duo Nkunku/Laimer drohen jedoch weitere Abgänge. Szoboszlai, der zuletzt offensiv von einem Wechsel sprach, wird bei Newcastle United gehandelt, auch Abwehrkante Josko Gvardiol könnte es auf die Insel ziehen.
Er habe eine Transferperiode vor sich, sagte Sportchef Max Eberl, um den sich allerdings ebenfalls Spekulationen ranken: Er soll Wunschkandidat des FC Bayern sein – und das nur wenige Monate nach seinem Dienstantritt in Leipzig, der einen neuen und langen Lebensabschnitt einleiten soll. Zieht der Ex-Mönchengladbacher, der durch seinen Wechsel nach Leipzig Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, schon wieder weiter?
Mit Personalien wollte sich der Pokalsieger am Feier-Wochenende nicht befassen. „Ich werde den Jungs zeigen, wie ein wahrer Schwede säuft“, versprach Spielmacher Emil Forsberg, als die Leipziger am Sonntag gegen 2.00 Uhr im Club Theater Berlin am Potsdamer Platz einfielen und mit vielen Prominenten wie Schlagerstar Florian Silbereisen die Nacht zum Tag machten. Am Nachmittag standen Fahrt im offenen Truck und die Party in der Leipziger Innenstadt an.
„Bayern und Dortmund sind Weltklasse-Mannschaften, aber wir wollen da oben mitspielen. Wir haben gezeigt, dass wir Titel gewinnen können“, sagte Forsberg. Pokalsieger war RB auch vor einem Jahr, damals noch unter Domenico Tedesco als Trainer. „Den Titel erfolgreich zu verteidigen, ist außergewöhnlich. Wir haben eine hervorragende Bundesliga-Saison gespielt“, sagte Marco Rose, der nach schwachem Leipziger Start im September von Domenico Tedesco übernommen hatte: „Und jetzt haben wir noch mal die Kirsche oben drauf gepackt.“
Beim geschlagenen Finalgegner Eintracht Frankfurt kündigte der scheidende Coach Oliver Glasner an, „die Sau rauszulassen. Es ist nicht die Zeit, um Trübsal zu blasen und traurig zu sein“, betonte der 48-Jährige. „Wir hatten zwei wunderbare Jahre. Es war ein toller Weg, eine große Reise. Wir haben gemeinsam viele Steine aus dem Weg geräumt, so viele schöne Momente erlebt. Darauf bin ich sehr stolz“, sagte Glasner. Auch in Berlin schnupperte die SGE 381 Tage nach der magischen Nacht von Sevilla mit dem Triumph in der Europa League an der Trophäe. „Jede Niederlage ist gleichzeitig eine Chance für die Zukunft“, frohlockte der Coach. „Vielleicht hat es die Niederlage gebraucht, um im nächsten Jahr die Conference League zu gewinnen.“ Ohne ihn dann halt. sid/mm