Wunden lecken und Kampfansagen

von Redaktion

Bayerns Basketballer verabschieden sich aus der Saison – und kündigen Großes an

VON PATRICK REICHELT

München – Irgendwann ergriff der Hausherr das Wort. Und was Marko Pesic da bei der Dankeschön-Party seiner Bayern-Basketballer zu sagen hatte, das kam bei der Fangemeinde bestens an. „Ich garantiere, dass wir nächste Saison eine Mannschaft haben werden, die vom ersten Tag an voll da ist.“

Die rund 550 Fans, die noch einmal den Weg zum Audi Dome gefunden hatten, nahmen es mit donnerndem Applaus zur Kenntnis. Wenn es auch offensichtlich war, dass viele an dem Umstand zu knabbern hatten, dass man nun Autogramme schrieb statt mit ratiopharm Ulm in einem vierten Spiel ums Finale zu kämpfen.

Was von dieser Saison bei den Bayern hängen bleibt, sind reichlich gemischte Gefühle. Ja, man holte den Pokal – sinnigerweise am einzigen Wochenende, an dem der Kader einmal komplett versammelt war. Doch ansonsten blieb die 2022/23 eine selten dagewesene Berg- und Talfahrt. Die auch dem Trainer so viel Substanz kostete, dass er sich selbst demissionierte. „Ich bin müde“, sagte Trinchieri, der fürs erste auch kein neues Engagement antreten wird.

Der 54-Jährige hatte seinen Abschied nach dem 102:104-Verlängerungsdrama am Freitag in Ulm offiziell gemacht. Einen kleinen Seitenhieb auf die Unparteiischen inklusive, die ihn in der Verlängerung mit einem Technischen Foul bedacht hatten. „Unfair“, fand er das, „manche Schiedsrichter sind wie Polizisten, die dich bestrafen, weil dein Auto fünf Zentimeter auf der Linie steht. Aber wir sind keine Autos.“

Immerhin: Anders als das Gros seiner Vorgänger geht Trinchieri aus freien Stücken. Und hinterlässt tiefen Eindruck. Vor allem sein Bayern-Team der Saison 2020/21, das bis auf einen Wurf ans Euroleague-Finalturnier heranrückte, wird hängen bleiben.

Sein Erbe, Pablo Laso, wird wohl erst in einigen Wochen offiziell installiert. Doch es ist leicht zu erraten, dass der Spanier schon jetzt bei der Zusammenstellung des neuen Kaders ein Wörtchen mitredet. Der Rest liegt in den Händen von Pesic und Manager Daniele Baiesi, der wohl für ein weiteres Jahr an Bord bleiben wird.

Klar ist immerhin: Das starke deutsche Kontingent bleibt wohl weitgehend an Bord. Einzig hinter Isaac Bonga (Option) und Paul Zipser stehen derzeit noch Fragezeichen. Zipser, der nach seiner Hirn-Op vor zwei Jahren auch in dieser Spielzeit nicht ganz an seine alte Form anknüpfen konnte, soll auch von seinem Heimatverein Heidelberg stark umworben sein. „Es ist mit keinem Verein gesprochen worden außer dem FC Bayern“, schrieb der 29-Jährige jedoch auf Twitter.

Davor soll Leon Kratzer (Bonn) vor dem Wechsel stehen, die Rückkehr von Leihspieler Nelson Weidemann aus Chemnitz ist beschlossene Sache.

Unklarer ist die Situation bei den internationalen Kräften. Einzig Kapitän Vladimir Lucic hat nach „der härtesten Saison meiner Karriere“ mit gleich zwei Langzeitverletzungen, noch einen festen Vertrag. Bei den ebenfalls verletzt fehlenden Othello Hunter, Augustine Rubit und Center-Newcomer Freddie Gillespie hat der FC Bayern immerhin eine Option.

Klar ist auch, dass die Bayern die Verletzungsserien der beiden letzten Jahre hinterfragen werden. „Tatsache ist, dass wir zweimal hintereinander zum Schluss nicht unseren besten Kader zusammen hatten“, sagte Marko Pesic. „daraus müssen wir jetzt unsere Schlüsse ziehen.“ Vielleicht mehr Urlaub für Nationalspieler, vielleicht eine noch bessere Infrastruktur für die Arbeit an der Fitness der Spieler.

Artikel 4 von 11