Ein Italiener als Transfer-Joker

von Redaktion

Branchini hat den Bayern schon häufig Topstars vermittelt – auch jetzt wieder?

VON MANUEL BONKE UND PHILIPP KESSLER

München – Wann immer der FC Bayern seine sportlichen Ziele verfehlt, reagiert er mit hochkarätigen Neuzugängen. Das war 2007 so, als die Münchner nur im UEFA-Cup starteten und unter anderem Luca Toni und Franck Ribéry verpflichteten. Fünf Jahre später, nach einer Spielzeit ohne Titel, investierte der deutsche Rekordmeister beispielsweise die damalige Rekordablöse von 40 Millionen Euro in Javi Martinez. Auch in diesem Sommer sollen nach der enttäuschenden Saison mit nur einem Titel neue Superstars an die Isar gelockt werden. Stellt sich die Frage: Wird Spieleragent Giovanni Branchini dabei wieder behilflich sein?

Fakt ist: Nach der Abberufung von Vorstandsboss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic führen bis auf Weiteres Uli Hoeneß und Neu-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge – in Absprache mit dem Technischen Direktor Marco Neppe – die Gespräche mit Spielern und Beratern.

Fakt ist auch: Branchini pflegt seit Jahrzehnten eine gute Beziehung zu beiden Münchner Granden. Hoeneß und Rummenigge hatten mit dem bestens vernetzten Italiener in der Vergangenheit bei Transfers immer wieder eng zusammengearbeitet. Vor allem, wenn angedachte Deals komplizierter waren. Als neutraler Mittelsmann hatte Branchini einst mehrere Spieler von Bayerns Gehaltsliste geholt – erstmals half er 1992 beim Verkauf von Stefan Effenberg und Brian Laudrup an Florenz.

Branchini, der gerne im Hintergrund operiert, hat wiederum aber auch Topstars nach München gelockt. 2007 fädelte er den Transfer von Stürmerstar Toni ein. Auch später war er immer wieder in große Deals involviert. Mithilfe seiner Dienste gelang es, den damaligen Barcelona-Star Philippe Coutinho und Ivan Perisic von Inter Mailand auf Leihbasis nach München zu lotsen. Bei Lucas Hernandez und Leroy Sané hatte er seine Finger ebenfalls im Spiel. Auch an den Trainer-Transfers von Pep Guardiola und Carlo Ancelotti war er maßgeblich beteiligt.

Branchini gründete 1986 sein Unternehmen Branchini Associati. Schon während seiner Anfangszeit als Berater hatte er Superstars vertreten, unter anderem Diego Maradona, Clarence Seedorf oder den Brasilianer Ronaldo. Aktuell vertritt er offiziell nicht mehr die größten Namen. Branchini kümmert sich aber nicht nur um seine eigenen Klienten, sondern hilft bei Transfers auch als Vermittler zwischen Vereinen, Spielern und Beratern. Er selbst sieht sich auch als jemand, der Meinungen und Vorschläge unterbreitet. In der Branche gilt Branchini als seriös und verschwiegen. Er hat nie einen Spieler aus dem Bayern-Kader als Berater unter Vertrag genommen. Über die Jahre entstand ein Vertrauensverhältnis zu den Bossen – und zu Rummenigge eine Freundschaft.

Nach dessen Aus als Vorstandsvorsitzender nahm Branchinis Einfluss bei Bayern ab. Auch weil Salihamidzic und Neppe sich selbst ein großes internationales Netzwerk aufgebaut hatten. Zuletzt brachte Branchini nach Informationen unserer Zeitung Joshua Zirkzee im Sommer 2022 nach Bologna. Wird er künftig wieder aktiver bei Bayern? Möglich. Noch gibt es aber keinen Kontakt deshalb. Dem Vernehmen nach würde Branchini auch nicht ohne einen zuständigen Sportchef arbeiten. Und den sucht Bayern ja noch.

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