Die Frage, wie viel Kommerzialisierung eine Sportart verträgt, ist nicht neu. Und dennoch ist sie in der Triathlon-Szene nach der Tragödie in Hamburg – ein Motorradfahrer kollidierte mit einem Teilnehmer auf dem Rad und verstarb – neu entbrannt. Die Stars sind sauer und fordern mehr Sicherheit statt mehr Spektakel. Martin Engelhardt, Präsident des Deutschen Verbands, hält dagegen und verweist auf die Vermarktungsmöglichkeiten, die die Sportler brauchen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Und damit hat er Recht, schließlich gehören selbst Champions wie Jan Frodeno, Alistair Brownlee oder Daniela Ryf dem Team des umstrittenen Königreichs Bahrain an.
Um es vorwegzunehmen: beide Parteien treffen einen wichtigen Punkt. Natürlich sollten Athleten nicht unnötig in Gefahr gebracht werden und alle (Groß-) Veranstalter sollten ihr jeweiliges Streckenkonzept überprüfen. Aber deswegen die modernen Darstellungsmöglichkeiten generell zu verteufeln, wäre nicht ratsam. Die teils absurd schnell anmutenden Zeiten, die Jan Frodeno & Co. für die Teilstrecken im Schwimmen, Radfahren und Laufen aufstellen, sind nur schwer in Worte zu fassen. Mindestens genauso herausfordernd ist es, ein knapp achtstündiges Event spannend im TV zu übertragen. Das aber sollte das Ziel sein. Auch über einen von manchen Seiten gewünschten Rennabbruch kann man diskutieren, aber auch hier sei erwähnt: Todesfälle beim Triathlon – wenn auch selten nach einer Kollision – gab es immer wieder, zum Beispiel in Frankfurt, Klagenfurt oder Duisburg. Doch auch diese Rennen wurden beendet.
Wer dem Sport schon seit Jahrzehnten frönt, der erinnert sich gerne wehmütig an die Anfänge zurück. Ein schöner, aber auch trügerischer Rückblick, denn die Welt hat sich gedreht. Während DTU-Präsident Martin Engelhardt seinen ersten Kurztriathlon noch naiv mit Trekkingrad, Schutzblech inklusive, bestritt, stehen heute bei jedem Wald- und Wiesen-Event mehrere tausend Euro teure Carbon-Geräte in den Wechselzonen. Wobei wir beim eigentlichen Problem angekommen sind: dem Geld. Seit die chinesische Wanda-Gruppe 2015 die Rechte an den Ironman-Veranstaltungen gekauft hat, wurde alles immer teurer. Die US-Firma Advance, die vor drei Jahren übernahm, dreht die Spirale immer weiter – bis hin zur Aufsplittung der WM (Hawaii und Nizza).
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