„God-bye, Zlatan“: Wo fährt er künftig im Ferrari vor?

von Redaktion

Letzte Station Mailand: Mit reichlich Pomp und Pathos hat Ibrahimovic seine Fußballerkarriere beendet

Mailand – Zlatan Ibrahimovic erblickte den grauen Himmel über Mailand und verstand. „Auch Gott ist traurig“, sagte der große Exzentriker über die Morgenstunden jenes 4. Juni, der als letzter Tag in der Karriere des Fußballers Zlatan Ibrahimovic in die Geschichte eingehen würde. Und an dessen spätem Abend sich ein wahres Tränenmeer über das San Siro ergoss.

„Zu schwer, zu viele Emotionen“, sagte Ibrahimovic mit wässrigen Augen und stockender Stimme, als er sich von „seinen“ Fans verabschiedete. Mit „König“ Zlatan weinten Ehefrau Helena, die Spieler der AC Mailand sowie tausende Anhänger. Und als die Gästefans aus Verona es wagten, die heilige Abschiedsmesse zu stören, wies Ibrahimovic sie in typischer Art zurecht. „Buht ruhig“, zischte er, „mich sehen zu dürfen, ist der größte Moment eurer Saison“.

Es waren passende letzte Worte für einen, der sein Herz stets auf der Zunge trug. Der sich großmäulig zum „König“ krönte und „Gott“ nannte. Das vielleicht berühmteste Zitat ist aus seiner Zeit in Barcelona überliefert, als er feststellte: Den „Philosophen“ Pep Guardiola brauche es nicht, Lionel Messi und Ibrahimovic, „der Zwerg und ich reichen vollkommen“.

Hinter seinen kessen Sprüchen verbarg sich eine verletzte Seele. Er wuchs auf als Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer in Malmös Problembezirk Rosengaard, Vater Alkoholiker, Mutter Putzfrau, Alltag: Fahrraddiebstähle, Hunger, Prügeleien. Als er vom Problemkind zum Weltstar aufgestiegen war, bauten sie ihm in Malmö ein Denkmal.

Mit Ibrahimovic verliere der Fußball einen Menschen, wie es ihn einmal unter einer Milliarde gebe, schrieb die Zeitung Aftonbladet über den „bedeutsamsten Schweden dieses Jahrtausends“. Neun Clubs, 32 Titel, 122 Länderspiele für Schweden mit der Rekordzahl von 62 Toren, darunter jener legendäre Fallrückzieher gegen England aus 25 Metern Doch „Ibrakadabra“ war mehr als ein Ausnahmestürmer, er war und ist Kulturgut nicht nur in Schweden.

Milan verabschiedete den 41-Jährigen als „Leggenda“ und mit einer passenden Choreographie („God-bye“). Ganz in Schwarz gekleidet schritt er durch das Spalier der Bosse und Kollegen.

Und jetzt? Der schwedische Nationalcoach Janne Andersson machte ihm ein Jobangebot, er ist Anteilseigner an Hammarby IF. Trainer oder Manager? Nichts für ihn, da könne er „nicht im Ferrari zum Trainingsplatz fahren“.

Vielleicht, sinnierte er, „kann Ibra die Regeln ändern“. Gebeugt hat er sie schließlich oft genug.

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