„Ich wollte Micks Karriere nicht zerstören“

von Redaktion

Haas-Boss Günther Steiner im Interview

Auch Mick Schumacher (24) hatte seinen Anteil am ersten Doppel-Podium der Formel-1-Saison für Mercedes beim Großen Preis von Spanien. „Wir haben ein großartiges Team mit Mick, der am Freitagabend wieder im Simulator war und großartige Arbeit geleistet hat, die uns geholfen hat, am Samstag auf den richtigen Weg zu kommen“, sagte Rekordweltmeister Lewis Hamilton (38) am Sonntag in Barcelona.

Haas-Boss Günther Steiner (58) weint seinem Ex-Piloten trotzdem nicht hinterher. Er ist begeistert von Neuverpflichtung Nico Hülkenberg (35). Der war nach dem Rennen weniger euphorisch. „Am Ende des Tages reicht es vom Tempo her nicht. Die ersten fünf Runden war ich wie Fallobst. Ich bin einfach aufgefressen worden“, sagte der einzig verbliebene Deutsche im Fahrerfeld nach Platz 15. Das Interview mit Steiner.

Herr Steiner, während Sie sich mit Ihrer Kritik an Mick Schumacher nicht zurückhielten, loben Sie seinen Nachfolger Nico Hülkenberg fast schon über den grünen Klee. Warum?

Fangen wir mit Nico an. In der Tat sind wir sehr zufrieden mit dem, was er macht. Die Ingenieure profitieren von seiner Erfahrung. Seine Vita zeigt: Nico ist viel in Mittelfeldteams gefahren und die sind immer besser geworden, als er da war.

Das heißt: Das alles konnte Mick Schumacher nicht?

Das muss man nicht immer so negativ auslegen. Mick war ein Neuling bei uns. Er hat bei uns die Formel 1 gelernt. Man konnte von ihm deshalb gar nicht den Input erwarten. Erfahrung braucht aber Zeit, und die hatte Mick nicht. Wir als Team wollten aber einen anderen Weg gehen. Den Weg mit zwei erfahrenen Piloten. Deshalb haben wir uns für Nico entschieden und gegen Mick.

Das macht Sinn und hört sich nicht polemisch an. Trotzdem: Haben Sie so ein negatives Medienecho in Ihrer Karriere schon mal erlebt wie in Deutschland?

In der Form sicher nicht. Die Dänen waren auch nicht happy, als Kevin Magnussen entlassen wurde, aber viel Wind wurde da nicht gemacht. Aber ich schreibe Leuten nicht vor, was sie sagen dürfen oder nicht. Sie haben eine Meinung, ich habe damit sicher kein Problem. Aber am Ende leite ich das Team und muss Entscheidungen treffen. Aber ich bin kein Diktator, sondern entscheide gemeinsam mit dem Team. Und ich kann mit Gewissheit sagen: Ja, wir haben das Richtige gemacht.

Würden Sie im Nachhinein Sachen anders kommunizieren?

Nicht grundsätzlich, aber ein paar Sachen vielleicht. Nachher ist man immer schlauer. Was erstaunlich ist: Die Trennung von Mick ist über ein halbes Jahr her und in Deutschland redet man immer noch darüber. Vielleicht wäre es besser, Mick und seinen jetzigen Boss Toto Wolff über seine Zukunft zu fragen, und nicht immer über die Vergangenheit zu reden.

Hätten Sie einen Mick Müller entlassen, gäbe es jetzt die Fragen nicht mehr…

Das ist so. Der berühmte Name spielt natürlich eine Rolle. Wäre es bei Rosberg genauso gewesen? Vermutlich nicht. Aber mir war bei Micks Einstellung vor zwei Jahren schon klar, was der Name Schumacher bedeutet: Er kann Fluch und Segen zugleich sein. Fest steht: Ich wollte nicht seine Karriere zerstören, sondern wir haben nicht gegen ihn, sondern für das Team entschieden.

Interview: Ralf Bach

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