Ärger bei den French Open

Eines Grand Slams nicht würdig

von Redaktion

THOMAS JENSEN

Nun gehört also auch noch Alexander Zverev dazu. Zu den Menschen, die sich dieses Jahr bei den French Open nicht fair behandelt fühlen (siehe Seite 32). Schiedsrichter und Offizielle, die nicht wissen, dass der Tennis-Olympiasieger Diabetiker ist, darf es vielleicht bei Landkreis-Judo-Meisterschaften geben, aber nicht bei einem der vier größten Tennis-Turniere der Welt.

Wobei es dem Roland Garros heuer allgemein schwer fällt, sich eines Grand-Slam-Turniers würdig zu präsentieren. Dazu rumort es einfach viel zu sehr.

Gut, manchen Stress kann man den Organisatoren nicht übel nehmen. Dass jemand aus Team Djokovic, diesmal der Djoker selbst, mit leicht problematischen bis hin zu nationalistischen Botschaften nervt, passiert nicht nur in Paris. Auch peinliche Engstirnigkeit bei manchen Regeln, die zu unverständlichen Disqualifikationen führt wie bei der Japanerin Miyu Kato, ist ein Problem, das den Tennissport allgemein betrifft.

Längst durchgekaut sind eigentlich die Konfliktpunkte rund um die Teilnahme russischer und belarussischer Spieler im Gegensatz zum Großteil des restlichen Weltsports. Doch nun haben es die Veranstalter (wohl in Zusammenarbeit mit der WTA) geschafft, dort in das nächste Fettnäpfchen zu treten. Der Belarussin Aryna Sabalenka (steht im Halbfinale) wurde genehmigt, nach Fragen einer ukrainischen Reporterin zu der ihr nachgesagten Unterstützung des belarussischen Diktators Alexander Lukaschenko, die nächsten Pressekonferenzen ausfallen zu lassen. Heile-Welt-Interviews, die sie stattdessen der WTA gab, machen dieses Wegschleudern pressefreiheitlicher Prinzipien noch schlimmer.

Zum Hintergrund: Sabalenka äußert sich schon öfter kritisch zu Gewalt allgemein, die Aggression die von Russland und ihrem Heimatland ausgeht, verurteilte sie aber nie. Ihre ukrainische Viertelfinalgegnerin Elina Svitolina gab ihr nach dem Match nicht die Hand. So wie ihre Erstrundengegnerin Marta Kostjuk, auch aus der Ukraine.

Womit wir beim Publikum wären: Dass ukrainische Athleten den Handschlag verweigern, ist seit Kriegsausbruch eine verbreitete Geste. Aber die Zuschauer in Paris kennen sie wohl nicht. Sie buhten Svitolina und Kostjuk aus. So wie sie auch Taylor Fritz niederbuhten, als der US-Boy den Lokalmatador Arthur Rinderknech schlug.

Franzosen lautstark zu unterstützen, ist die eine Sache. Andere Menschen fertig zu machen, eine andere. Das Publikum ist hysterisch, es ist anstrengend, es ist ein Problem. Eines, das es nicht erst seit diesem Jahr gibt und das die Organisatoren nicht in den Griff bekommen. Genau wie die Benachteiligung der Frauen, was eine Ansetzung in den prestigeträchtigen Night Sessions angeht.

Tennis auf Sand. Wunderschön. Nirgendwo werden große Matches so verlässlich geliefert wie hier. Ein solches Turnier auszurichten und es fertig zu bringen, dass der Sport so oft im Hintergrund steht – wie schafft man das?

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