Stuttgart/Hamburg – Sebastian Hoeneß dürfte noch ein paar Tage brauchen, um seine geglückte Rettungsmission beim VfB Stuttgart richtig zu verarbeiten. Der Verbleib in der Bundesliga ist geschafft – und das ist in erster Linie ein Verdienst des Trainers. Wer den 41-Jährigen rund um das mit 3:1 gewonnene Relegations-Rückspiel beim Hamburger SV erlebt hat, kann sich aber ausmalen, wie viel Kraft ihn der Abstiegskampf gekostet hat. Erst um 5 Uhr morgens trafen die Stuttgarter am Dienstag wieder am heimischen Flughafen ein.
„Eine Mischung aus Erleichterung, Freude, ein bisschen Leere“ verspürte Hoeneß nach dem emotionalen Höhepunkt seiner mittlerweile gut zweimonatigen Amtszeit beim VfB. „Brutal intensive Wochen“ seien das gewesen, schilderte er. So kann es nicht ewig weitergehen. Weshalb Stuttgarts Vorstandschef Alexander Wehrle eine in Summe wieder mal verkorkste Saison „sehr hart“ und „sehr kritisch“ analysieren will. Schon diesen Mittwoch wollen sich die Bosse beraten. So ziemlich alles dürfte auf den Prüfstand kommen. Nur Hoeneß nicht.
Als der frühere Coach der TSG 1899 Hoffenheim Anfang April Nachfolger von Bruno Labbadia wurde, lagen die Stuttgarter auf dem letzten Tabellenplatz – und mental mehr oder weniger am Boden. Doch Hoeneß gelang es schnell, dem wie gelähmt wirkenden Club neues Leben einzuhauchen. Die Siege in seinen ersten beiden Pflichtspielen im Pokal in Nürnberg und in der Liga in Bochum halfen ihm natürlich. Die Mannschaft entwickelte einen Glauben an ihren bereits vierten Trainer der Saison – und an dessen Spielidee. Hoeneß hatte aber auch ein gutes Händchen, nahm mit seinen Wechseln oft entscheidenden Einfluss auf eine Partie.
Dass die Stuttgarter in der Relegation gegen den vom früheren VfB-Coach Tim Walter trainierten HSV dann letztlich zwei klare Siege feierte, zeigt aber, dass durchaus Potenzial in der Stuttgarter Truppe steckt. Nur: Sie ruft es viel zu selten ab. Und das nun schon seit Jahren.
Das kann man in Hamburg durchaus ähnlich sehen. Zum fünften Mal hat der HSV die Rückkehr in die Bundesliga verpasst. Doch an der Elbe gab es nach dem neuerlichen Scheitern Liebe statt Hiebe. Die Fankurve feierte die Relegations-Verlierer lange mit inbrünstigen Gesängen. Auch Trainer Tim Walter, der nach zwei verlorenen Relegationen wohl einen weiteren Anlauf nehmen darf.
„Selbstverständlich“, sagte Club-Vorstand Jonas Boldt auf die Frage, ob Walter auch am ersten Trainingstag für die neue Saison der Trainer sein werde: „Wir haben ein Fundament gebaut, das dem Verein sehr, sehr gut tut. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist. Aber vieles eben richtig gut funktioniert hat.“ Und darauf „gilt es, aufzubauen“.
Walter selbst sieht es ähnlich. Wobei der 47-Jährige mehr am Drama des letzten Spieltags als an den Relegations-Niederlagen zu knabbern hat. „Wir waren eigentlich schon für ein paar Minuten aufgestiegen, wenn der Schiedsrichter Erbarmen gehabt und nicht elf Minuten nachgespielt hätte“, sagte Walter und erinnerte an das Fernduell mit dem 1. FC Heidenheim. Der 47-Jährige zählte auch all die „Rückschläge“ auf, die „wir alle erlitten haben“. Walter zählte die Dopingsperre für Mario Vuskovic auf sowie Verletzungssorgen. „Es ist nicht so einfach, immer wieder aufzustehen, wenn man ständig auf die Fresse kriegt“, sagte Walter.
Einfacher wird es in der 2. Liga mit Hertha BSC und Schalke 04 in der nächsten Saison nicht, Die Fans kümmert es erst mal nicht – ihnen scheint es auch in Liga zwei zu gefallen. dpa/sid