Bayerns 100-Millionen-Mann

von Redaktion

Finanzvorstand Diederich agiert im Hintergrund – in gewichtiger Rolle

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Die Sache mit der Wurst hat mittlerweile Tradition. Als Michael Diederich vor rund zwei Monaten sein Büro an der Säbener Straße bezog, lud der neue Finanzvorstand die Mitarbeiter des FC Bayern zu einem Weißwurst-Frühstück ein. Die Geste kam gut an, die Stimmung war bestens, genau wie vergangenen Mittwoch, als in der Kantine aus besonderem Anlass dasselbe serviert wurde. Diederich war wieder dabei, diesmal aber spielte der 57-Jährige eine kleinere Rolle. Haupt-Gastgeber nämlich war Jan-Christian Dreesen – eigentlich sein Vorgänger, nun aber: der Boss.

Die Konstellation, die sich da in den turbulenten zurückliegenden Wochen ergeben hat, ist ja schon kurios. Da wird ein Mann, für den die Abschiedsinterviews schon terminiert waren, plötzlich zu demjenigen, der den Verein zurück zu alter Stärke führen soll. Und derjenige, der die Unicredit Bank als Vorstandssprecher für den FC Bayern verließ, um Dreesen nachzufolgen, muss nun eng mit seinem eigentlichen Vorgänger zusammenarbeiten. Man kann die Sache positiv sehen – und sagen: Erfahrungswerte und Austausch schaden zum Start sicherlich nicht. Man kann sie aber auch negativ sehen – und sagen: Diederichs Plan, seinen eigenen Weg zu gehen, wird durch die unerwartete Entwicklung ein wenig ausgebremst. Für Uli Hoeneß ist die Sache klar. Der Ehrenpräsident bezeichnete Dreesen und Diederich in der SZ als Erfolgsgespann, „um wieder Ruhe und Stabilität in den Verein zu bringen“, und fügte hinzu: „Michael Diederich ist ein Top-Mann, und beide harmonieren nach meiner Wahrnehmung richtig gut.“

Es ist nur logisch, dass die Kräfte in der aktuellen Situation – und mit Blick auf die vakante Position des Sportvorstands – gebündelt werden. Und Diederich, der nach dem Aus von Oliver Kahn einen guten Monat früher als geplant zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden aufrückte, kommt im Machtgebilde eine bedeutsame Aufgabe zu. Er verantwortet die Finanzen, die sich unter Karl Hopfner und Dreesen erfreulich entwickelten, und er wird auch derjenige sein, der auf der Jahreshauptversammlung im Herbst den Rekordumsatz von mehr als 800 Millionen Euro verkünden darf. Bis dahin aber wartet noch viel Arbeit, denn der Transfersommer, darin sind sich alle einig, wird teuer werden.

Diederich darf, kann und will das nötige Geld in die Hand nehmen. Es ist kein Zufall, dass er die magische 100-Millionen-Euro-Marke schon im Antrittsinterview nicht ausschloss, er sagte aber auch: „Ich wäre immer der Mahner, der sagt: Freunde, Achtung!“ Er kommt nicht aus dem Fußball, hat eine Banker-Laufbahn mit steilem Aufstieg hinter sich – er weiß seine Erfahrungen aber zu nutzen. Schon während seiner Zeit bei der HVB war er nah an den Mitarbeitern – und hat der Bank innerhalb des italienischen Unicredit-Konzerns eine eigene Identität gegeben. Wie in der Wirtschaft gilt im Sport: Gute Mitarbeiter müssen nicht nur Könner sein, sondern vor allem für ein Unternehmen brennen. Diederich fragt vor jedem Transfer daher: „Können wir uns einen solchen Transfer leisten – und wollen wir ihn uns leisten?“

Der Start war turbulent, aber Diederich hat sich in den vergangenen Wochen ein umfassendes Bild dieses Vereins gemacht, alles beobachtet, viel hinterfragt. Bei Auswärtsspielen sah man ihn in der Mixed Zone und auf der Pressekonferenz, nah am Team wie an den Vorstandskollegen. Beim Meisterfoto in Köln zückte er auch selbst das Handy. Schöne Erinnerungen, und er mittendrin statt nur dabei.

Das gilt auch für alles, was aktuell läuft. Sogar zwei 100-Millionen-Euro-Transfers schloss Herbert Hainer in der Sport Bild nicht aus. Aber der Präsident fügte an: „Wir werden die wirtschaftliche Stabilität des FC Bayern nicht in Gefahr bringen.“ Dafür sorgt Diederich höchstpersönlich.

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