Miami also. Keine schlechte Stadt, die sich Lionel Messi da für seine Fußball-Rente ausgesucht hat. Die Lebensqualität passt und der David-Beckham-Club versprüht zumindest mehr Promi-Atmosphäre für einen Weltmeister als die Wüste Saudi-Arabiens. Positiver Nebeneffekt: Auch in den USA wird Altstars ein ganz ordentliches Salär gezahlt. Die Fans in seiner Heimat können den Wechsel trotzdem nicht alle nachvollziehen. Ein argentinischer Freund des Autors rief entsetzt an: „USA? Da heißt das Spiel sogar Soccer und nicht Fußball. Was soll das bloß?“
Nun ja, Messi wollte nach seiner missglückten Paris-Zeit raus aus dem Öffentlichkeits-Brennglas. Auch eine Barcelona-Rückkehr war wohl nie ein ernstes Thema, weil der Club, der einst mit Pep Guardiola Fußball zelebrierte und seine Trikotbrust unentgeltlich Unicef zur Verfügung stellte, völlig im (Finanz-)Chaos versunken ist. Die Major League Soccer bekommt also eine neue Attraktion, sportlich verschwindet Messi damit in der Versenkung. Zur Wahrheit gehört aber auch: Bei der WM durfte der 35-Jährige in einem für ihn arbeitenden Team noch einmal glänzen, in den letzten Paris-Monaten blieb er blass.
Und Saudi-Arabien? Hat trotz Messis zu kritisierender Botschafter-Rolle überraschend den Kürzeren gezogen. Eigentlich hatte Riad-Club Al-Hilal gehofft, „Leo“ diese Woche als neues Kronjuwel des Sportkönigreichs (nach Cristiano Ronaldo und Karim Benzema) vorstellen zu können. Jubeln durfte Kronprinz Mohammed bin Salman – er soll 2018 den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi beauftragt haben – trotzdem. Denn mit seinem rund 650 Milliarden US-Dollar schweren Staatsfonds (PIF) hat er die Kontrolle im Golfsport übernommen.
Dass die beiden etablierten Turnierserien (PGA und DP World) nach einem Jahr Streit mit der von den Saudis mit viel Geld geschaffenen LIV-Tour verschmelzen, zeigt, dass dem Sport mal wieder jeglicher Moralkompass fehlt, denn: Mehr Sportwashing geht nicht. Wenn Sie noch einen weiteren Beweis brauchen, die Verbindung zu hinterfragen: Donald Trump, auf dessen Plätzen bisher einige LIV-Turniere stattfanden, freute sich über „einen fantastischen Deal“. Der neue starke Mann im Golf ist damit Yasir Al-Rumayyan. Er ist die rechte Hand von bin Salman, Verwalter des Fonds und, ach ja, seit Oktober 2021 Clubboss des Premier-League-Teams Newcastle United.
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