Rendezvous mit der Vergangenheit

von Redaktion

FRENCH OPEN Ein Jahr nach dem Verletzungsschock hat Zverev wieder die Chance aufs Finale

Paris – Irgendwann war Alexander Zverev ein wenig genervt. Bei jedem Interview sollte der Olympiasieger seinen Weg nach dem Verletzungsschock zurück ins Halbfinale der French Open erzählen – dabei wollte er den Blick doch am liebsten schon auf die Chance auf den ersehnten ersten Grand-Slam-Titel richten. „Wir können über die Verletzung so oft wir wollen reden. Am Ende des Tages bin ich hier, um Tennis-Matches zu gewinnen“, betonte der 26-Jährige. „Ich bin im Halbfinale von Roland Garros, es gibt nicht sehr, sehr viele Spieler, die das geschafft haben. Klar bin ich glücklich darüber, aber das Turnier ist noch nicht vorbei.“

371 Tage nach seinem Umknicken am gleichen Ort im Halbfinale gegen Rafael Nadal steht Zverev an diesem Freitag wieder unter den Top Vier – und will gegen den Norweger Casper Ruud (ab etwa 17.30 Uhr/Eurosport) in sein erstes Endspiel beim Sandplatzklassiker in Paris. Als erster Deutscher seit Michael Stich 1996. „Ich bin froh, wieder hier zu sein, aber ich habe hier hoffentlich noch zwei Matches, und sie werden nicht einfacher“, sagte Zverev. Spätestens in einem Endspiel gegen den überragenden Weltranglistenersten Carlos Alcaraz (20) aus Spanien oder den serbischen 22-maligen Grand-Slam-Turniersieger Novak Djokovic (36) wäre Zverev krasser Außenseiter.

Anerkennend blickte der Hamburger während seines Interview-Marathons nach dem Viersatzerfolg (6:4, 3:6, 6:3, 6:4) gegen den Argentinier Tomás Martin Etcheverry am Mittwochabend kurz auf den Fernseher an der Wand des Untergeschosses am Court Philippe-Chatrier. Dabei sah er, wie Ruud gerade den dänischen Youngster Holger Rune überraschend deutlich im Griff hatte. „Er ist ein sehr, sehr guter Tennisspieler, ein sehr solider Tennisspieler“, sagte Zverev über seinen nächsten Gegner. „Casper war schon mal in dieser Situation, er war letztes Jahr hier im Finale, er weiß ganz genau, was zu tun ist.“

Als der 24 Jahre alte Norweger vor einem Jahr im Finale gegen den Sandplatz-Dominator Nadal unterlag, stand Zverev kurz vor der Operation am kaputten Knöchel. „Es ist großartig, Sascha zurück im Halbfinale zu sehen“, sagte Ruud. Von Zverevs „Rendezvous“, schrieb die französische Sporttageszeitung „L’Équipe“ angesichts des dritten Halbfinals von Zverev in Serie am Donnerstag auf der Titelseite.

Für Zverev ist es sein sechstes Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. Bei den US Open 2020 kam er ins Finale und unterlag dem Österreicher Dominic Thiem. Viermal setzte es bislang eine Niederlage: Bei den Australien Open 2020 gegen Thiem, den US Open 2021 gegen Djokovic, den French Open 2021 gegen Stefanos Tsitsipas – und 2022 bei der Aufgabe gegen Nadal. „Er ist zurück da, wo er vor einem Jahr war. So wird es für jeden Gegner schwer gegen ihn“, sagte Eurosport-Experte Boris Becker.

Seit seiner Rückkehr wartet Zverev jedoch noch auf einen Sieg gegen einen Spieler aus den Top Ten der Weltrangliste – sechs Niederlagen setzte es seit seinem Comeback. Nicht nur deshalb wäre ein Erfolg über den Weltranglistenvierten Ruud die endgültige Bestätigung der Rückkehr zu alter Extraklasse.  sid

Norweger Ruud die Halbfinal-Hürde

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