Ein Märchen mit dunklen Seiten

von Redaktion

Dank Scheich-Geld erfüllen sich bei ManCity Trainer- und Spielerträume

Istanbul – Mission erfüllt, der Favorit Manchester City gewann nach sehr langem Anlauf seinen ersten internationalen Titel. Fragen rund ums 1:0 gegen Inter Mailand.

Was bedeutet der Sieg für Pep Guardiola?

Kann der Katalane es auch außerhalb seines Biotops Barcelona? Seit dem letzten Erfolg mit Barca 2011 war der Besessene stets daran gescheitert, die Champions League ein weiteres Mal zu gewinnen. Ob mit den Bayern oder mit Manchester City – er verstolperte es regelmäßig. Nun hat er die lange internationale Durststrecke beendet – und sich ein Alleinstellungsmerkmal erworben: Pep Guardiola ist der einzige Trainer, dem ein Triple in zwei Ländern gelungen ist – 2009 mit Barcelona, 2023 mit City.

Der 52-Jährige bemühte sich, nicht allzu erleichtert zu wirken. „Ehrlich gesagt war ich nach dem Sieg im FA-Cup gegen Manchester United aufgewühlter.“ Berührt, so erzählte er in Istanbul, habe ihn eine Nachricht, die Sir Alex Ferguson (81), die Legende des Lokalrivalen, ihm am Champions-League-Finaltag habe zukommen lassen. Der Schotte Ferguson hatte es 1999 geschafft, United zum Triple zu führen – danach war kein englischer Club mehr so erfolgreich gewesen.

Wie verlief das Finale für die Deutschen?

„Es ist wie im Märchen, besser geht es nicht. Es ist ein großes Privileg, nicht nur Kapitän dieser Mannschaft zu sein, sondern Mitglied dieser Mannschaft zu sein, unter Pep zu spielen, Teil dieses tollen Vereins zu sein“, sagte Ilkay Gündogan nach dem 1:0 gegen Inter Mailand bei DAZN. Da seine Vorfahren aus der Türkei stammen, hatte Istanbul als Endspielort für ihn eine zusätzliche Bedeutung. Europapokalsieger ist nun auch Ex-Löwen-Torwart Stefan Ortega (30), der bei City auf der Ersatzbank saß.

Beinahe wäre Robin Gosens (28) zum Mann des Abends geworden. In der 76. Minute wurde der deutsche Nationalspieler bei Inter eingewechselt, in der 88. zog er eine perfekte Flanke auf Stürmer Romele Lukaku – doch der Belgier vergab die Riesenchance. „Ich fühle mich beschissen“, sagte Gosens mit der Silbermedaille um den Hals, „ein Kindheitstraum ist geplatzt.“ Den Siegtreffer von Manchester durch Rodrigo (68. Minute) nannte er „ein Kacktor. Wir haben ein Riesenspiel gemacht und waren mindestens auf Augenhöhe. Das ist auch der Grund, dass es so weh tut.“

Welchen Einfluss hatte Wunderkind Haaland?

Erling Haaland freute sich ganz narrisch. Klar, mit 22 Jahren das große Ziel Gewinn der Champions League zu realisieren ist etwas Besonderes. Über die ganze Saison gesehen war sein Anteil am Siegeszug von Manchester City auch durch englische Meisterschaft und Pokal am größten, aus 53 Pflichtspielen stehen 52 Tore zu Buche. Allerdings: Im Finale blieb der Norweger hinter den Erwartungen. Der kicker strafte ihn mit der Note 4,5 ab. Allerdings: Es war ein Finale, das Defensive und Absicherung prägten. Doch Haaland stellte das Gelingen des Teams über die eigene Performance: Den Abend nannte er „unglaublich“. Und: „Für einen Jungen aus einer kleinen norwegischen Stadt ist alles möglich.“

Wird City die Konkurrenz erdrücken?

„Am Montag ist Parade in Manchester, danach geht es wieder bei Null los“, sagte Pep Guardiola – und kritisierte die UEFA für die späte Ansetzung des Finales und die FIFA für einen Rahmenterminkalender, der jetzt noch Länderspiele zulässt. „Das ist zu viel.“ Es gebe Clubs, „die nach einem Erfolg in der Champions League verschwinden. Das müssen wir vermeiden.“ Scheich Mansour aus Abu Dhabi, der Besitzer, der zwei Milliarden in den Verein gepumpt hat und erstmals seit 13 Jahren wieder bei einem Spiel im Stadion war, sichert City in einer Art und Weise ab, dass in England wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play diverse Verfahren laufen. Ins Rattenrennen steigen immer mehr Clubs mit arabischen Investoren ein. Was auch Uli Hoeneß bei Sky sauer aufstieß: „Ich habe große Sorgen, was da aus Saudi-Arabien kommt, die scheinen unendlich Geld zu haben“, sagte er, „Aber der Vorteil ist, sie können nur mit elf Spielern spielen und ein Kader kann nur 15 bis 16 haben.“

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