Uraufführung für das neue Flick-System

von Redaktion

Länderspiel Nummer 1000 voller Symbolkraft: Start für eine Mannschaft, an die man sich erinnern wird?

Frankfurt/Bremen – 999 Länderspiele hat die Männer-Nationalmannschaft hinter sich, vor dem tausendsten an diese Montag (18.00 Uhr/ZDF) in Bremen gegen die Ukraine hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sich unter früheren Nationalspielern umgehört, welche historischen Partien denn in Erinnerung bleiben würden – und dies ist die Hitparade.

Platz eins: Das 7:1 im WM-Halbfinale 2014 in Belo Horizonte gegen Brasilien.

Platz zwei: Das „Wunder von Bern“ 1954, das gesellschaftspolitisch bedeutsam war.

Platz drei: Das 3:4 nach Verlängerung verloren gegangenen Jahrhundertspiel 1970 im WM-Halbfinale von Mexiko gegen Italien.

Vierter: Das WM-Halbfinale 1982 in Spanien gegen Frankreich, das Glückseligkeit (Sieg im Elfmeterschießen) und Skandal (Torwart Toni Schumachers Foul an Patrick Battiston) vereinte.

Fünfter: WM-Achtelfinale 1990 gegen die Niederlande – mit dem Bild der Frank-Rijkaard-Spucke, die sich in Rudi Völlers Haar verfing.

Jedenfalls: Das meiste schon lange her, fernab der Erinnerung, die jene jüngere Generation hat, die der DFB mit der Heim-Europameisterschaft 2024 erreichen und beflügeln will. Es braucht mal wieder große Spiele – doch verfügt der deutsche Fußball derzeit über das Potenzial, eine große Mannschaft aufzubieten?

Es müsste jetzt mal wieder einen Schritt vorangehen. Die beiden ersten Spiele nach der WM (2:0 gegen Peru, 2:3 gegen Belgien) standen im Zeichen personeller Experimente und waren gefühlt weit weg vom nächsten Turnier. Dafür hatte sich Bundestrainer Hansi Flick auch Kritik anhören müssen. Nun nominiert er konservativer und fordert von seinen Leuten vor den Spielen gegen die Ukraine und nachfolgend Polen (in Warschau) und Kolumbien (in Gelsenkirchen), „dass sie übers Limit gehen, auch mal ein bisschen leiden. Für uns ist jedes Länderspiel dazu da, die Elf zu finden, die dann am 14. Juni nächstes Jahr anfängt.“ Hört sich gut an – allerdings: Da für die eigene Veranstaltung schon qualifiziert, hat die DFB-Auswahl nur Freundschaftsspiele zu bestreiten, und Mitte Juni wirkt die alte Saison am stärksten nach – zu sehen daran, wie vor einem Jahr die Flick-Elf in vier Nations-League-Partien binnen zehn Tagen unter Kräfteschwund litt; erster Dämpfer der Ära Flick.

Ohne Energie darf sich seine Mannschaft nun nicht präsentieren. Das 1000. Länderspiel ist nicht nur wegen des Gegners Ukraine aufgeladen mit Symbolik. Der DFB folgt den Forderungen nach einer familienfreundlicheren Anstoßzeit, es geht um 18 Uhr los, auch die Wahl des Spielorts ist ein Statement: Bremen. Keine Schicki-Micki-Umgebung wie oft beim DFB. Lokalmatador Niclas Füllkrug bekommt sein Heimspiel, auch Torwart Kevin Trapp wurde der Startelf-Einsatz zugesichert. Und Hansi Flick hat sich festgelegt: Er wird mit einer Dreierabwehrkette spielen. Das System soll ein 3-1-4-2 sein – Uraufführung.

An die besondere Situation der Ukraine erinnert Niclas Füllkrug: Vor allem die in der heimischen Liga beschäftigten Spieler würden gerade mal wieder „einen Wahnsinn“ erleben mit Krieg und Überschwemmung. „Ich hoffe, die Jungs haben einen tollen Tag, den sie genießen können.“ Und den sie als historisch empfinden können wie die Deutschen ihr Spiel Nummer 1000. GÜNTER KLEIN

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