Wo sich der Ball verhaspelt und Worte verspringen

von Redaktion

TV-KRITIK

Geld schießt ein Tor! Unter diesem Motto hat ManCity 1:0 gegen Inter gewonnen. ZDF-Experte Chris Kramer hat dazu ermittelt: „Haaland hat 100 Milliarden gekostet.“ Auch Claudia Neumann, die historische erste Frau, die im deutschen Fernsehen ein Champions-League-Finale kommentiert hat, kannte das Geheimnis der Sieger. Es liegt an der „Finanzpipeline aus Abi Dhabi“. Wer dachte da nicht spontan an Abi Abramczik, Abi Ofarim oder ans Abi 1991?

– Wie war das ZDF-Gedöns? Sehr kurzweilig. Jochen Breyer streute lustvoll Salz in die Wunden von BVB und FCB. Er erinnerte Topfavorit Pep an den „90-minütigen Nervenzusammenbruch“ von Dortmund beim Liga- Finale. Und er hatte die Zahlen des Schreckens für die Ex-Brazzos parat, die in der Vorrunde Inter zweimal besiegt haben: „Für Bayern-Fans ist es ein relativ harter Abend.“ Christoph Kramer, die Gladbach-Unke mit den traditionell schönsten Fehlprognosen, prophezeite: „4:0 für City.“ Von diesem Tipp erholte sich die Guardiola-Elf beinahe nicht mehr.

– Wie war Claudia Neumann? Abwechslungsreich – aber halt auf ihre Weise. Sie erzählte an ihrem „Sehnsuchtsort Endspielfinalort“ gewohnt kurioses Zeug. Bei ihr „verhaspelt sich der Ball“, dafür verspringen ihr die Worte. Ilkay Gündogan ist für sie „einer, der lieber spricht, als dass er die ganz großen Ansprachen hält“. Und als Inter verzweifelt auf den Ausgleich drängte, fand sie über den fuchsteufelswilden Italo-Trainer heraus: „Inzaghi wollte, dass abgepfiffen wird.“ Aber das kennt man ja von Trainern, die am Ende der Nachspielzeit hinten liegen, dass sie partout fordern, dass endlich Schluss ist.

– Ist das nicht unfair, 95 Minuten lang auf Neumann-Fehler zu warten? Wahrscheinlich schon, denn auch Marcel Reif hat mal Quatsch erzählt. Aber das Schlimme ist die allumfassende Überforderung der Frau in Sachen Sprache und Fußball. Sie kommentiert wie ein Einbeiniger, der die 100 Meter bei Olympia laufen soll. Da „sprüht einem der Gedanke durch den Kopf“, wie es Claudia Neumann nennt, dass sie damit all den Frauen wie Stephanie Baczyk, Christina Rann oder Christina Graf schadet, die am Mikro einen tollen Job machen.

Denn am Ende heißt es dann doch wieder: „Frauen können keinen Fußball kommentieren.“ Und das ist natürlich kompletter Quatsch. JÖRG HEINRICH

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