Hansi Flick zwängte sich auf dem engen Podium im Warschauer Nationalstadion mit einem Lächeln auf seinen grauen Stuhl – und setzte zu einer nie dagewesenen Verteidigungsrede an. „Die Kritik“, sagte der unter Druck geratene Bundestrainer mit Vehemenz, „müssen wir uns gefallen lassen. Und es ist auch okay, wenn es sich auf meine Person fokussiert. Aber bitte lasst die Spieler draußen!“ Vor allem seinen Liebling Joshua Kimmich (dpa-Foto). Den Münchner in Schutz zu nehmen, betonte Flick vor dem Länderspiel gegen Polen am Freitag, liege ihm „am Herzen“. Dass man ihn verdamme, verstehe er „nullkommanull“. Kimmich habe eine Mentalität wie die Basketball-Götter Michael Jordan oder Kobe Bryant, sagte er, „er geht voran und ist ein Vorbild für alle Spieler“.
Schon beim Abschlusstraining noch am Frankfurter Campus wirkte Flick regelrecht angestachelt. Die Ansage von höchster Stelle hatte wohl auch ihn alarmiert. „Mehr Herz und mehr Leidenschaft“, forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem steinigen Weg zur EM – und Flick lebte diese Tugenden sofort vor. „Mehr fighten, mehr Körperlichkeit“, forderte er von seiner Elf, nach dem unbefriedigenden 3:3 gegen die Ukraine. Die jüngsten Leistungen, betonte er, seien „nicht unser Anspruch“. An seinen Experimenten will er weiter festhalten. Der März und der Juni seien dafür „reserviert, etwas auszuprobieren“, sagte der 58-Jährige, ab September liege der Fokus „auf Stabilität“.