Köln – Die Bilder gingen um die Handball-Welt. Andreas Wolff, wie er minutenlang dasitzt. Völlig ausgepumpt. Geschlagen. Während die Köln-Arena nach dem Final-Drama in der Champions League zum Tollhaus mutiert, lehnt der deutsche Nationalkeeper am linken Pfosten seines Tores und hält sich die Hände vors Gesicht. Um Millimeter schrammt Wolff an einem Königsklassen-Triumph vorbei. K.o. nach Siebenmeterwerfen. Ein Jahr später kehrt Wolff mit seinem Club Kielce zum europäischen Handball-Showdown in die Domstadt zurück. Und dieses Mal, bei seiner zweiten Endrunden-Teilnahme, soll es hinten raus anders laufen. „Wir haben noch eine Rechnung offen“, sagte Wolff in der Sportschau vor dem Kampf um Europas Krone: „Diesmal wollen wir auch den Pott holen.“
Die Voraussetzungen für das Vorhaben sind beim Final Four am Wochenende gegeben: Rekordsieger FC Barcelona, der im vergangenen Jahr Kielce im Endspiel mit 37:35 besiegt hatte, trifft am Samstag (15.15 Uhr) zunächst auf den SC Magdeburg. Anschließend tritt Wolff mit seinem Team im zweiten Halbfinale (18.00 Uhr/beide DAZN) gegen Kiel-Bezwinger Paris St. Germain an. „Herzzerreißend“ sei es, sagte Wolff damals, ein Finale so zu verlieren, und „sehr, sehr frustrierend.“ Gefühle also, die der inzwischen 32-Jährige nicht noch einmal erleben möchte. Seine Familie wird den gebürtigen Euskirchener beim nächsten Anlauf in seiner Heimat unterstützen.
Wolff blickt auf turbulente Monate bei seinem Club zurück. Sportlich lieferte das Starensemble von Kielce seit Wolffs Wechsel im Jahr 2019 verlässlich, doch wirtschaftlich gab es immer wieder Fragezeichen hinter dem Millionen-Projekt. So bangte man beim polnischen Abomeister zuletzt nach dem Rückzug von Namenssponsor Lomza um den Fortbestand als Top-Adresse im internationalen Handball, bis sich im April neue Geldgeber fanden und der Verein nun unter dem Namen Barlinek Industria Kielce firmiert. Angefangen hatte Wolff in Kielce, da trug der Verein noch Vive als Beinamen.
Wolff steht beim polnischen Champion bis 2028 unter Vertrag. Wie in der Nationalmannschaft befindet sich der Ex-Kieler, bei der WM im Januar ins All-Star-Team berufen, auch bei seinem Club in Topform. sid