Frankfurt/Main – Die spanischen Spieler stürmten nach 90 intensiven Minuten auf ihren Torhelden Joselu zu, vor der Bank hüpfte eine Jubeltraube um Trainer Luis de la Fuente zu den Klängen von „Freed from Desire“. Es wirkte fast, als sei die Furia Roja gegen Italien gerade in das Finale einer Welt- oder Europameisterschaft eingezogen – dabei ging es doch bloß um den vermeintlich „sinnlosesten Wettbewerb der Welt“.
Die einst nicht nur von Jürgen Klopp auf diese Weise verschriene Nations League bekommt in diesen Tagen plötzlich eine neue Wertigkeit. „Es ist etwas Historisches“, schwärmte Spaniens Mittelfeldspieler Rodri nach dem 2:1 (1:1) gegen Italien: „Das Finale am Sonntag ist eine große Chance für uns, es sind viele Jahre ohne Titel, wir müssen diese Möglichkeit ergreifen.“ Und auch Kroatien, der zweite Finalist, spricht bereits von einem geschichtsträchtigen Erfolg.
Die Spanier warten seit elf Jahren auf eine Trophäe, nach der enttäuschenden WM von Katar kommt der Finaleinzug in der Nations League unter dem neuen Coach gerade recht. Der Gewinn der 7,5 Kilo schweren und 71 Zentimeter hohen Silbertrophäe soll mehr als nur ein Trostpreis sein. „Es gibt Gelegenheiten, die man ergreifen muss“, forderte Rodri mit Blick auf das Duell am Sonntag (20.45 Uhr/RTL und DAZN) in Rotterdam mit den unermüdlichen Kroaten.
Im Halbfinale rangen die Spanier aufopferungsvoll verteidigende Italiener dank eines späten Treffers des Ex-Bundesligaprofis Joselu (88.) nieder. „Es ist eine bedeutende Niederlage, weil der Wettbewerb wichtig ist und mir am Herzen liegt“, haderte Italien-Coach Roberto Mancini. Durchatmen nach einer langen Saison mit Winter-WM? Fehlanzeige. Vielmehr glich die Intensität beider Halbfinals derer von K.o.-Spielen bei einer WM oder EM.
Alle vier Teams gingen das Final Four in den Niederlanden mit großer Ernsthaftigkeit an, setzten bei der Suche nach dem dritten Champion nach Portugal und Frankreich auf ihre Topleute. „Das ist einer unserer größten Siege, 4:2 auf ihrem Boden zu gewinnen“, sagte Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic nach dem Halbfinale gegen die Gastgeber: „Das ist sicherlich ein Sieg, der in die Geschichte eingehen wird. Ein Sieg für das kroatische Volk.“
Nach der Vize-Weltmeisterschaft 2018 und Rang drei jüngst in Katar will sich die noch titellose Generation um den ehemaligen Weltfußballer Luka Modric krönen. „Wir haben Bronze und Silber, jetzt wollen wir Gold holen, damit wir diese Geschichte beenden können. Es wäre großartig“, frohlockte Dalic. Und die Spanier haben durchaus großen Respekt vor den Kroaten. „Sie haben ein unglaubliches Wettbewerbs-Gen, geben niemals auf“, warnte Rodri. Auch in der einst so verpönten Nations League eben nicht. sid