Brad Pitt in der Boxengasse

von Redaktion

Silverstone-GP wird zur Film-Kulisse: Hollywood dreht zwischen Mercedes und Ferrari

Silverstone/Köln – Brad Pitt sah gut aus, natürlich. Mit verspiegelter Sonnenbrille und blauer Wildlederjacke schlenderte er durch das Fahrerlager von Silverstone, als würde er dazugehören. Und das tut er ja jetzt auch irgendwie: Am Rande des britischen Grand Prix haben die Dreharbeiten für seinen neuen Film begonnen. Die Formel 1 boomt ohnehin seit einer Weile – und hat nun auch Freunde in Hollywood.

„Ich weiß nicht, ob das vor zehn Jahren möglich gewesen wäre, als das alte Management noch am Werk war“, sagt Lewis Hamilton. Der Rekordweltmeister ist Co-Produzent und Berater für den Film, der im laufenden Betrieb der Rennserie gedreht wird.

Es ist der bislang deutlichste Indikator für das, was gerade passiert: Unter den amerikanischen Eigentümern öffnet sich die Formel 1, und die Welt will mitmachen. Schon seit Jahren erschließt eine Netflix-Doku den Mainstream als Zielgruppe, auch der Kalender wächst und wächst. Im kommenden Jahr soll die Rekordzahl von 24 Rennen erreicht werden, die einst vor allem europäische Rennserie hat mittlerweile auch Schwerpunkte in den USA, in Asien und im Nahen Osten.

Nun also dieser Film, der Brad Pitt als alternden Rennfahrer (Sonny Hayes) zeigt, der noch einmal in den Sport zurückkehrt. In Silverstone hat sein fiktives Team eine eigene, eine elfte Garage zwischen Mercedes und Ferrari, eigenes Personal und ein eigenes Motorhome. Alles soll so authentisch wirken wie möglich.

In mehr als 40 Jahren unter Bernie Ecclestone wäre so etwas nicht möglich gewesen. Man hätte es damals „wohl nicht als wichtigen Schritt für das Wachstum des Sports erkannt“, sagt Hamilton, der ja selbst seit 15 Jahren dabei ist und diesen Wandel mitverfolgt hat: „Wir haben schon den Einfluss der Netflix-Show gesehen, das hier wird alles noch größer machen.“

So viele Menschen „auf der ganzen Welt“, sagt Hamilton, „wollen gerade mehr über diesen Sport erfahren“. Das klingt wie PR-Sprech in Zeiten, in denen Max Verstappen jedes Rennen gewinnt und sportlich große Langeweile herrscht. Es ist aber durchaus durch Zahlen belegbar.

Die Ticketverkäufe an den Strecken steigen, die TV-Quoten ebenfalls, besonders in den USA, all das bringt neue Sponsoren und wachsende Gewinne, auch zahlreiche Teams haben Interesse an einem Einstieg. „Es scheint, als verwandle sich alles, was die Formel 1 anfasst, zu Gold“, schrieb das Wirtschaftsmagazin Forbes zuletzt.

Geradezu unwirklich scheint das allerdings für jeden, der die Entwicklung aus Deutschland verfolgt. Die Formel 1, zu Schumacher-Zeiten bei RTL ein Teil deutscher Sonntags-Kultur, ist mittlerweile nur noch im Bezahlsender Sky zu sehen. Nico Hülkenberg (35) ist der einzige Deutsche im Feld, Mick Schumacher (24) hofft auf eine neue Chance, dahinter ist Nachwuchs quasi nicht existent.

Aber: Neuerdings kann die Formel 1 sich ihre Freunde aussuchen.

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