Deutsche Olympia-Initiative

Neue Worte für den alten Traum

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Das soll alles gut klingen. Modern und businesslike: „Roadmap Olympiabewerbung“. Die Teilnahme der Bevölkerung spiegelt sich im Slogan „Deine Ideen. Deine Spiele“. Der Deutsche Olympische Sport-Bund setzt für den Bewerbungsprozess „Leitplanken“ – eine Formulierung, mit der Karl Theodor zu Guttenberg einst Könnte-Kanzler-Kapazität vortäuschte. Und dann noch ein verspieltes Träumen von Olympia „Made by Germany“ statt „Made in Germamy“ – die Mitteilung des DOSB, mit der er in eine Entscheidungsfindung zum Thema Olympische Spiele in Deutschland einsteigt, lässt nichts aus.

Es war zu erwarten, dass die Spitze des organisierten Sports hierzulande wieder Mut fassen würde nach den schönen Erlebnissen European Championships (München 2022) und Special Olympics (Berlin 2023). Es gibt den verständlichen Wunsch der Fachverbände, sich von Spielen in Deutschland Schubkraft zu holen. Und auch wenn die jetzigen Sportstars selbst nichts mehr davon haben werden, wenn in frühestens 13 Jahren Deutschland im Zeichen der fünf Ringe stünde, werden sie dem Ansinnen einer Bewerbung positiv gegenüberstehen. Doch solche Anflüge von Initiativen waren ja regelmäßig zu erleben in den vergangenen Jahren – und alle sind sie, meist schon im frühesten Stadium, gescheitert. Was also ist vom jetzigen neuen Anlauf zu halten?

Der DOSB hat in seinem Bestreben, den Dialog breit zu streuen, schon wieder zu viele Begehrlichkeiten geweckt. Er hätte es sich sparen können, Hamburg und Leipzig als potenzielle Olympia-Städte zu nennen, denn beide sind krachend gescheitert, die Norddeutschen an eindeutiger Ablehnung der Bevölkerung vor erst acht Jahren, die Ostdeutschen fielen beim IOC in der ersten Runde durch – und Leipzig ist halt auch schlicht zu klein. Es wird halt nie ein Weg vorbeiführen an der einzigen deutschen Weltmetropole, Berlin, aber bitte aus historischen Gründen nicht 2036 zum Hundertjährigen der Hitler-Spiele. Rhein-Ruhr hätte einen gewissen Charme – doch es ist verbunden mit dem Sportmanager Michael Mronz, der dem Ober-Olympier Thomas Bach kritiklos gegenübersteht. „Die Spiele passen sich dem Gastgeber an. Nicht mehr der Gastgeber den Spielen“, umschreibt der DOSB blumig, dass nur vorhandene Strukturen genutzt werden sollen. Ob Bach das auch so sieht? Und somit Mronz?

Ach ja, München. Wird auch genannt vom DOSB. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat umgehend reagiert und verlauten lassen: „Aber nur Sommerspiele.“ Da sollte er sich aber mal anschauen, wie das olympische Programm seit den unschuldigen Tagen von 1972 ausgewuchert ist – dann wird der OB feststellen, dass eine Neuauflage unter dem Kriterium der Nachhaltigkeit nicht zu machen ist. Winter- wären leichter zu kriegen als Sommerspiele, München mit den bayerischen Bergen wäre eine relativ sichere Nummer, wenn es anträte. Wobei da die Frage ist: Wird es 2038 oder 2042 noch einen Winter geben?

Es bleibt dabei: Deutschland und Olympische Spiele sind auf der Roadmap voneinander weit entfernt.

Guenter.Klein@ovb.net

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