So kriegen die Bayern Kane

von Redaktion

Berater-Legende Zahavi gibt Münchnern im Poker um den Star eine gute Chance

VON PHILIP KESSLER

München – Im Fußball geht es traditionell heiß her am sogenannten Deadline Day. An diesem Tag schließt das Transferfenster. In Deutschland ist der 1. September die letzte Möglichkeit, um große Deals noch im Sommer zu finalisieren. „Levy Time“, wie sie in England gerne in Anlehnung an Tottenham-Boss Daniel Levy (61) sagen.

Der Spurs-Chef gilt als knallharter Geschäftsmann. Wenn es um Topstars seines Vereins geht, zeigt er sich stets bis zum Schluss hartnäckig. Ein Beispiel: 2008 drängte Tottenhams damaliger Stürmer Dimitar Berbatov (42) wochenlang auf einen Wechsel zu Manchester United. Ein zähes Ringen, ehe Levy den Bulgaren am Deadline Day für 38 Millionen Euro ziehen ließ. „Diese Erfahrung war schmerzhafter als mein Hüftgelenkersatz“, sagt Uniteds Trainer-Legende Sir Alex Ferguson (81) dazu. Selbst das große Real Madrid musste bei der Verpflichtung von Gareth Bale (33) 2013 bis Ende August zittern. Die englische Presse nannte Levy nach Abschluss des 101-Millionen-Euro-Transfers „König der harten Deals“.

Und die Härte des Spurs-Chefs bekam auch Tottenhams aktueller Superstar Harry Kane (29) schon wiederholt zu spüren. Einem Wechsel schob Levy bereits mehrfach einen Riegel vor. 2021 soll Manchester City bereit gewesen sein, 150 Millionen Euro Ablöse für ihn zu bieten. Der Spurs-Boss blieb stur. Auch das erste Angebot der Bayern in Höhe von rund 70 Millionen Euro lehnte Levy jüngst ab. Eine verbesserte Offerte ist in Planung. „Wenn Sie einen Spieler haben, den Sie wirklich nicht verkaufen möchten, haben Sie jedes Recht, Nein zu sagen“, betonte Levy im Debattierclub Cambridge Union.

Trotz des Wissens über die Hartnäckigkeit des Tottenham-Bosses sind die Münchner Verantwortlichen zuversichtlich, dass es zeitnah mit einem Wechsel von kane an die Isar klappt. Auch Pini Zahavi (79) hält Bayerns Operation Kane in diesem Sommer für realistisch. „Ich kenne Daniel Levy seit rund 25 Jahren. Aus meiner langjähriger Erfahrung und unserer Freundschaft kann ich sagen: Ja, es ist nicht immer einfach mit ihm“, verrät der mächtige und bestens vernetzte Fußball-Agent im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber wenn die Bayern wissen, wie sie mit ihm umzugehen haben, können sie eine Lösung finden.“

Levy ist seit Jahrzehnten in der Branche aktiv. Der Engländer baute mit seinem Partner Joe Lewis (86) den Investment-Trust ENIC auf. Ende der 1990er-Jahre erwarb das Unternehmen Anteile an Fußballclubs, unter anderem an den Glasgow Rangers und Slavia Prag. 2001 übernahm ENIC bei den Spurs die komplette Kontrolle – und Levy den Chefposten.

Bei den Tottenham-Fans ist er durchaus umstritten. Insider bezeichnen ihn aber als sehr ehrlich, als einen Mann, der sein Wort hält. Levy sagt über sich: „Ich handle nur im besten Interesse meines Clubs.“ Er sorgte unter anderem dafür, dass Tottenham eines der besten Stadien und Trainingsanlagen weltweit hat. Levys sportliches Aushängeschild ist derzeit Kane. Allerdings: Kane hat den Bayern bereits signalisiert, dass er großes Interesse an einem Wechsel hat. Und da müssten die Bayern einhaken und Levy davon überzeugen, dass es durchaus zum Wohl der Spurs ist, wenn der Club jetzt noch viel Geld für den 29-Jährigen bekommt.

Die Situation erinnert an den vergangenen Transfersommer, als Robert Lewandowski (34) Bayern verlassen wollte. Um den Superstürmer im Folgejahr nicht ablösefrei zu verlieren, stimmten die FCB-Bosse einem Wechsel für 45 Millionen Euro zum FC Barcelona zu. Für Kane winken Tottenham ein Jahr vor dessen Vertragsende sogar rund 100 Millionen Euro.

Der Hauptunterschied zur Situation des Spurs-Kapitäns: Lewandowski kämpfte auch öffentlich um den Transfer. Vermutlich müsste auch Tottenham-Eigengewächs Kane vehement auf einen Wechsel drängen, um von Levy die Freigabe zu erhalten.

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