London – Alexander Zverev schimpfte, diskutierte erregt mit dem Stuhlschiedsrichter, und sogar ein Zuschauer bekam einen Spruch von ihm ab. Am Ende aber war nach ein paar Aufregern und einem Hänger im zweiten Satz alles gut: Mit einem 6:4, 5:7, 6:2, 6:2 gegen Yosuke Watanuki aus Japan erreichte der Olympiasieger in Wimbledon die dritte Runde – im Gegensatz zu Jule Niemeier, die nach einem „schlechten Spiel“ ausgeschieden ist.
„Er hat mich überrascht, wie gut er serviert hat“, bekannte Zverev nach dem 2:25 Stunden dauernden Match und gab seinem Team die Schuld. „Ich hatte ein bisschen einen Hals auf meine Box“, keiner habe sich die Mühe gemacht, Vorab-Informationen über den Gegner zu beschaffen, sagte er. Seine eigene Aufgabe sei das nicht, machte er klar: „ Ich bin bei Turnieren digital nicht verfügbar. Mein Handy ist im Flug-Modus und nur für die Diabetes-App da. Soziale Medien sind gelöscht.“ Für die Gegner-Beobachtung wäre Tobias Kamke zuständig – Zverevs Trainingspartner ist allerdings gerade in der Bundesliga beschäftigt. Trainiert wird er von seinen Vater, auch Bruder Mischa ist an seiner Seite.
Seinen „Hals“ artikulierte er auch hörbar: nach dem Hinweis einer Linienrichterin vom Stuhlschiedsrichter für einen Fluch verwarnt wurde. „Sie soll sich nicht wichtiger nehmen, als sie ist“, meckerte er, die Diskussionen taten ihm aber nicht gut. Sein Gegner, 116. der Welt, habe den Satz auch „verdient gewonnen“.
Zverev trifft nun auf den Italiener Matteo Berrettini, der den an Nummer 15 gesetzten Australier Alex De Minaur 6:3, 6:4, 6:4 bezwang. Berrettini hatte 2021 im Finale gegen Novak Djokovic verloren und war nach Verletzungen zuletzt außer Form. Zverev möchte den 27-Jährigen aber nicht unterschätzen: „Er ist einer der besten Rasenspieler.“
Nicht mehr aufpassen bei diesem Turnier muss man auf Jule Niemeier. Beim 6:4, 6:7 (5:7), 1:6 gegen Dalma Galfi aus Ungarn war ihr ein Fehler nach dem anderen unterlaufen, „das war ein sehr sehr schlechtes Match von mir“, sagte sie mit trübem Blick. Sie sei, ergänzte die 23 Jahre alte Dortmunderin, die im Vorjahr im Viertelfinale gestanden hatte, gegen die nun auch nicht als Rasenspezialistin bekannte Galfi, in der Weltrangliste auf Rang 126 geführt, „vielleicht auch an meinen eigenen Erwartungen zerbrochen“.
Weil kurz nach Niemeier auch Tamara Korpatsch 5:7, 5:7 gegen die nur auf Rang 255 der Weltrangliste geführte Serbin Natalija Stevanovic verlor, sind alle vier gestarteten deutschen Frauen im Einzel ausgeschieden. „Last man standing“ ist nun Zverev, nachdem Maximilian Marterer in der dritten Runde dem Kasachen Alexander Bublik 4:6, 1:6, 6:7 (4:7) unterlag.
Eine große Enttäuschung gab es für alle britischen Fans. Lokalheld Andy Murray (36) ist nach einem Marathon-Match ausgeschieden. Der zweimalige Champion unterlag dem griechischen Weltranglistenfünften Stefanos Tsitsipas nach insgesamt 4:40 Stunden mit 6:7 (3:7), 7:6 (7:2), 6:4, 6:7 (3:7), 4:6. Die Partie war am späten Donnerstag nach drei Sätzen abgebrochen worden. Nach dem Match ließ Murray offen, ob er nochmal in Wimbledon dabei sein wird. sid