Vitamin D für die Bayern

von Redaktion

Die Finanzexperten Dreesen und Diederich machen Kasse

VON MANUEL BONKE, PHILIPP KESSLER UND HANNA RAIF

München – An der Säbener Straße geben mittlerweile zwei ehemalige Top-Banker den Ton an: Vorstandschef Jan-Christian Dreesen (55) und sein Stellvertreter und Finanzvorstand (57) Michael Diederich. So viel Finanz-Expertise zahlt sich aus, wie ein Blick auf die derzeitige Transfer-Bilanz zeigt. Auch wenn das Wechsel-Fenster erst seit 1. Juli geöffnet hat, wird deutlich, dass Dreesen und Diederich äußerst clever wirtschaften.

In den Verkaufsverhandlungen um Lucas Hernandez (27) zeigten die Münchner harte Kante – und machten den Verantwortlichen von Paris Saint-Germain von Anfang an klar, dass sie den Spieler nicht unter 50 Millionen Euro ziehen lassen werden. Letztendlich einigten sich alle Parteien auf ein Paket von 45 Millionen Euro Fix-Ablöse und fünf Millionen Euro Bonuszahlungen, die relativ leicht erreicht werden können. Das neue Führungsduo hatte die Ausstiegsklausel von Bald-Neuzugang Min-Jae Kim (26) in Höhe von 45 Millionen dabei stets im Hinterkopf.

Somit wurde der erste Königstransfer des Sommers quasi zum Nulltarif eingetütet. Apropos Kim: Der Südkoreaner weilt aktuell noch in Südkorea und wird erst nach dem Tegernsee-Trainingslager zur Mannschaft stoßen. Während der Kauf von Kim also schon wieder refinanziert ist, müssen die Bayern bei Wunsch-Stürmer Harry Kane (29) von Tottenham Hotspur deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Doch auch hier kommt das Banker-Gen durch. Das zweite Angebot in Höhe von 80 Millionen Euro wurde am Montag erneut abgeschmettert. Die interne Schmerzgrenze liegt angesichts von Kanes Vertragslaufzeit bis 2024 bei 100 Millionen Euro, die maximal durch Bonus-Zahlungen noch etwas ansteigen könnte.

Bei seinem Antritts-Interview im Bayern-Magazin kündigte Diederich, angesprochen auf die 100-Millionen-Grenze, bereits an: „Grundsätzlich schließe ich im Leben nichts aus. Aber ich wäre immer der Mahner, der sagt: Freunde, Achtung! Wir müssen auch den zweiten Teil der Waage, unsere Wirtschaftlichkeit, im Blick behalten.“

Es droht weiterhin ein zäher Poker mit Tottenham zu werden, zumal Spurs-Trainer Ange Postecoglou am Montag folgende Sätze zum Bayern-Interesse an Kane fallen ließ: „Ich will ihn hier haben und ich will diesen Verein erfolgreich machen. Ich bin sicher, dass er das auch will.“ Allerdings gestand der Trainer, dass er keinerlei Zusicherungen erhalten hätte, dass Kane diesen Sommer definitiv in London bleibe: „Bei dieser Art von Dingen kann man nie mit Sicherheiten rechnen.“ Was sicher ist: Klappt der Kane-Wechsel, wird er der teuerste Transfer der Münchner Vereinsgeschichte.

Doch auch hier haben Dreesen und Diederich Refinanzierungsmöglichkeiten: Der Verkauf von Sorgenkind Sadio Mané (31) könnte ordentlich Geld in die Kasse spülen und darüber hinaus ein sattes Jahresgehalt von geschätzt 20 Millionen Euro einsparen.

Tenor: Manchmal muss man ehrlich sein zueinander und sich eingestehen, dass es nicht passt. Vor allem, wenn ein Verkauf wirtschaftlich äußerst lukrativ ist. Und dann gibt es ja noch den wechselwilligen Benjamin Pavard (27), dessen Marktwert auf 40 Millionen Euro taxiert wird. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es zwei konkrete Interessenten, die zwischen 30 und 35 Millionen Euro für ihn auf den Tisch legen müssten.

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