München – Im ersten Ranking der neuen Bundesliga-Saison ist der FC Bayern tatsächlich: Letzter. Während alle 17 Konkurrenten zu Beginn der Woche die gemeinsame Vorbereitung mindestens mit der Leistungsdiagnostik gestartet hatten, geht es an der Säbener Straße offiziell erst morgen los. Dass trotzdem seit Montag schon Profis vor Ort sind – und die Trainingsgruppe gestern größer wurde – liegt an einem Novum im Kreise des Rekordmeisters. Einem von einigen neuen Gegebenheiten, die die Spielzeit 2023/24 mit sich bringt.
Der Zeitplan für Neuzugang Konrad Laimer und Matthijs de Ligt war gestern ähnlich wie jener, den unter anderem Manuel Neuer, Serge Gnabry und Eric Maxim Choupo-Moting am Montag eingehalten hatten. Zunächst standen Leistungstest im Krankenhaus Barmherzige Brüder auf dem Programm, später ging es auf den Platz. Alles Maßnahmen, die heuer, in diesem Jahr ohne großes Turnier, neu sind – und einen klaren Plan verfolgen: Spieler, die mit einem Fitnessdefizit oder einer Verletzung zu kämpfen hatten, wurden vor dem Rest des Teams einbestellt. So hat der medizinische Staff Gewissheit über den Ist-Zustand der Stars – und jeder einen individuellen Plan, um schnellstmöglich in Topform zu kommen.
Ein paar schweißtreibende Einheiten haben Neuer und Co. (in neuen lila Shirts) dem Rest nun schon voraus – und somit auch die ersten Erkenntnisse über den neuen bzw. alten Hybridrasen. Während der „GrassMaster“, ein Erbstück von Pep Guardiola, seit einigen Wochen auf dem Haupt-Platz liegt, wurde das hochmoderne „Mixto“-System nun auf dem Geheimplatz verlegt. Beste Voraussetzungen für die Stars und auch Greenkeeper Peter Sauer, dem nächsten „Novum“ im Umfeld der Bayern.
Der 50-Jährige, zuvor acht Jahre beim VfL Wolfsburg, startete offiziell am 1. Mai, seine Arbeit aber wird natürlich an der Qualität des Grüns in der kommenden Spielzeit gemessen werden. Nach Informationen unserer Zeitung hat die in der Branche geschätzte Philosophie Sauer einige kostspielige Geräteanschaffungen gefordert, aber auch die Entscheidung zum Wechsel von Natur- auf Hybridrasen maßgeblich beeinflusst. Er hat ein eigene Handschrift – und die erklärten Ziele: sportlicher Erfolg und Verletzungsprävention.
Freilich gefällt es auch den Herren in den oberen Etagen, wenn der Ball unten gut läuft. Also da, wo die Vorstandsriege aktuell so ausgedünnt ist wie schon lange nicht mehr. Nach dem Ausscheiden von Jörg Wacker im Jahr 2021 und der Entlassung von Sportvorstand Hasan Salihamidzic stehen aktuell nur drei Herren auf dem Briefkopf des Rekordmeisters: CEO Jan-Christian Dreesen, sein Stellvertreter Michael Diederich (Finanzen) sowie Andreas Jung (Corporate Partnerships und Marketing).In ihrem Arbeitsalltag wird übrigens – wie bei allen anderen Mitarbeitern – seit wenigen Wochen nicht mehr „Adelholzener“ getrunken, sondern „Saskia Quelle“. Die „alten“ Flaschen wurden nach der Bekanntgabe der Kooperation mit der Lidl-Eigenmarke aus den Büros eingesammelt, abgeholt – und durch neue Durstlöscher ersetzt.
Alles neu macht der Juli – und alles neu macht auch der August. Denn in der Allianz Arena warten zum Start im Supercup gegen RB Leipzig (12. August) ebenso zwei neue Gegebenheiten. Auf dem Rasen liegt Hybrid, in der umgestalteten Kabine gibt es doppelt so viel Platz wie vorher. Und spätestens zum offiziellen Saisonstart wollen die Bayern ihr (Vorbereitungs-)Motto dann umdrehen. Also: Die Letzten werden die Ersten sein. hlr, bok, pk