Das „Basta“ vom Marienplatz hat im Vorjahr lange nachgehallt. Vor laufenden Kameras hatte Oliver Kahn es im Rahmen der Meisterfeierlichkeiten des FC Bayern ausgesprochen, und die Worte des inzwischen entlassenen CEO wurden zwei Monate später, als Robert Lewandowski seinen gewünschten Wechsel zum FC Barcelona doch hatte durchsetzen können, natürlich noch einmal hervorgekramt. War es ein Machtwort aus Überzeugung? Oder war es Kalkül? So oder so hat die Dynamik des Transfermarkts schon damals gehörigen Einfluss auf die Zukunft des FC Bayern genommen. Und heuer, wo mit einem Jahr Verspätung ein Nachfolger für den verlorenen Topstürmer gesucht wird, tut sie das noch mehr.
Wer ganz oben mitspielen will, muss ins oberste Regal greifen; und wer ins oberste Regal greift, muss die Mechanismen der irrwitzigen Branche annehmen. Man darf davon ausgehen, dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun, während es für den Fan doch zunehmend schwerer wird, bei all den Meldungen zu Wunschkandidaten und B-Lösungen, Verlängerungsangeboten und Abwerbeversuche, moralischen und unmoralische Angeboten den Durchblick zu behalten. Wenigstens etwas leichter fällt es, wenn man den aktuell – und noch 50 weitere Tage – laufenden Transferzirkus unter dem Stichwort „Spiel“ verbucht. Einem, in dem man gerade ganz am Anfang steht und daher alle Seiten taktieren.
Die Bayern sind heuer mittendrin, noch mehr als sonst. Und so ist es keine pure Spekulation, dass ein kurzer Blick von der Säbener Straße auch regelmäßig nach Paris geht. Dort, wo Kylian Mbappé und PSG eher nicht mehr zusammenfinden werden, dürfte der erste Stein auf dem Stürmermarkt rollen. Er wird die Bayern tangieren, auch wenn Mbappé eine finanzielle Nummer zu groß ist. Sucht der womöglich aktuell Beste seiner Zunft den Weg nach Madrid, braucht Paris Ersatz – und landet zwangsläufig beim nächstbesten. Der Poker um Harry Kane wird nicht einfacher, wenn ein Verein mitmischt, der vor unanständigen Offerten nicht zurückschreckt.
Es ist daher nur gut und logisch, dass die Bayern zwar einen klaren Plan haben, aber auch Alternativen. Eine davon ist Victor Osimhen, über den Napoli-Präsident Aurelio De Laurentiis gestern sagte: „Wir werden ihn in der nächsten Saison in unserem Trikot sehen, das ist sicher.“ Klingt nach einem Basta. Ist es aber nicht.
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