Start der Frauen-WM

Das DFB-Team muss liefern

von Redaktion

FRANK HELLMANN

Kapitänin Alexandra Popp hat Recht, dass ihr viel zu viel von der Stimmung und der EM in England geredet werde. Die Erfolgsstory bei der WM in Australien fortzuschreiben, wird kein Selbstläufer, sondern eine Herausforderung. Aktuell steht das deutsche Frauen-Nationalteam in der Fifa-Weltrangliste auf Platz zwei hinter Rekordweltmeister USA, der bei den beiden letzten Turnieren mit hohem Engagement und viel Empathie reüssierte. Deutschland schied vor vier Jahren in Frankreich – dem ersten Turnier unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg – im Viertelfinale aus, als umstrittene Personalentscheidungen zur Verwirrung gegen Schweden beitrugen. Davor, bei einer WM auf Kunstrasen in Kanada, war der vierte Platz unter Silvia Neid auch nicht das, was sich alle vorgestellt haben.

Trotzdem soll jetzt gefälligst der dritte Stern her. Hinterlegt in einer Kampagne, wie stolz Popp und Co. seien, für ihr Land zu spielen. Das sind andere aber auch. Man nehme 2023 nur die Eishockeyspieler, die U 21-Handballer oder die U 17-Junioren des Deutschen Fußball-Bundes. Nicht alle bei den DFB-Frauen scheinen in diesem Länderspieljahr den Ernst der Lage verstanden zu haben, sonst hätte man sich im Härtetest gegen Brasilien (1:2) nicht so sehr den Schneid abkaufen lassen, hätte es den Schock gegen Sambia (2:3) nicht gegeben. Immer wieder wird die Belastung gesteuert, aber sie müssen nun definitiv über die Belastungsgrenze gehen.

Die Gruppe mit Marokko (24. Juli), Kolumbien (30. Juli) und Südkorea (3. August) darf kein Stolperstein sein. Doch im Achtelfinale, wenn es gegen Frankreich oder Brasilien gehen könnte, wartet eine hohe Hürde. Nur wenn diese genommen wird, werden sich bei den am Vormittag oder zur Mittagszeit von ARD und ZDF übertragenen Spielen wirklich neue Zielgruppen am Fernseher versammeln. Die Sehnsucht nach einem erfolgreichen Turnier der Frauen ist groß, nachdem die A-Nationalmannschaft der Männer das Publikum in den letzten Testspielen gepeinigt und die U 21 bei der EM gepatzt hat.

Wenn es gelingt, den Zuspruch für den Frauenfußball in Deutschland über den Sommer zu erhalten, wäre viel gewonnen. Die Spielerinnen vereinen weiterhin viel Sympathien und Zustimmung . Doch auch sie genießen keinen Bonus für die Ewigkeit.

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