Rottach-Egern – Am 1. September übernimmt Christoph Freund (46) den derzeit vakanten Posten des Sportdirektors des FC Bayern. Bis dahin war es ein langer Weg für den Österreicher, der seinen Job von der Pike auf lernte.
Aus seiner Anfangszeit bei Red Bull Salzburg erzählen sich Insider folgende Anekdote: Als Freund 2012 vom Teammanager zum Sportkoordinator aufstieg, gab es regelmäßige Meetings mit Sportdirektor Ralf Rangnick (65) und dem damaligen Geschäftsführer sowie heutigen Bayern-Nachwuchschef Jochen Sauer (55). Rangnick gab zwei Vorbilder aus: Ajax Amsterdam mit Blick auf Talente, den FC Basel aus sportlicher Sicht. Und er setzte seine Ziele hoch. Ein formulierter Punkt: Den landesweiten Transferrekord – 2010 hatte Salzburg seinen Torjäger Marc Janko (40) für knapp sieben Millionen Euro zu Twente Enschede ziehen lassen – regelmäßig zu überbieten. Wie das bei einem österreichischen Verein denn gehen solle, fragte Freund. Die Antwort gab er in der Folge selbst.
Im Sommer 2014 wurde Sadio Mané (31) für 23 Millionen Euro Ablöse an Premier-League-Verein Southampton abgegeben. Unter der Ägide von Freund, der ein Jahr später den Sportdirektoren-Posten seines Lehrmeisters Rangnick übernommen hatte, wurden noch höhere Summen eingenommen. Mit ihm als Chef schaffte es der österreichische Serienmeister in den vergangenen acht Jahren immer wieder, hoffnungsvolle Talente zu großen Aufsteigern zu entwickeln und mit beträchtlichem Transfergewinn zu verkaufen. Das wohl prominenteste Beispiel ist Erling Haaland (22). Auch Dayot Upamecano (24) oder Marcel Sabitzer (28) machten ihren Weg. Dazu partizipierten die Salzburger finanziell bei deren Weiterverkäufen von Leipzig zum FC Bayern.
Freund gilt als Workaholic. Er ist ein akribischer Arbeiter und in der Branche bestens vernetzt. Auch in zwischenmenschlicher Hinsicht sprechen Wegbegleiter positiv über ihn. Freund sei ein „brutaler Teamplayer“, immer zuverlässig. Treten intern Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auf, agiere er als Mediator. Harmonie ist Freund sehr wichtig. Er ist kein Lautsprecher. Anstatt den Weg über die Medien zu gehen, bevorzugt er es, Dinge intern zu klären. Für seine Kollegen und Spieler hat Freund stets ein offenes Ohr. Konrad Laimer (26) habe er seinerzeit beispielsweise mit Nachdruck nahegelegt, seine Matura (in Deutschland: Abitur) abzuschließen.
Freund ist außerdem ein Naturbursche. Um vom Berufsalltag abzuschalten, fährt er Fahrrad und Ski. Zudem joggt der Familienmensch und Vater zweier Teenager gerne. Die Nähe zur Heimat Salzburg ist Freund wichtig. Im Herbst baggerte Premier-League-Club Chelsea an ihm. Freund sagte ab. Nun seine Zusage beim FC Bayern, über die er sich – wie er gestern Abend sagte – „extrem freut“. Denn für ihn ist „der FC Bayern eine absolute Top-Adresse im internationalen Weltfußball. Ein Verein mit unglaublichen Werten und Möglichkeiten.“ Kein anderer Club hätte ihn aus Salzburg weglocken können.
Alle freuen sich, nur Tuchel klang am Dienstagabend unterkühlt. „Wir sind offen, aber ich habe keinen Kontakt zu ihm und war in die Entscheidung nicht eingebunden.“ Neben den Profis soll Freund vor allem auch die Zusammenarbeit mit dem Campus intensivieren. Da wird es wieder Meetings mit Sauer geben.