Union Berlins Transferpolitik

Prominenz hat Ansprüche

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Union Berlin ist nicht gut zu sprechen auf Hansi Flick, weil der noch keinen Köpenicker für die Nationalmannschaft nominiert hat, obwohl die doch schwächelt, der Verein aus dem Osten aber eine Aufstiegsgeschichte schreibt. wie es sie im heutigen Hochfinanzfußball eigentlich gar nicht mehr geben kann. Jetzt zeigt der 1. FC Union es dem Bundestrainer aber: Wenn der Hansi Mittelfeldabräumer Rani Khedira partout keine Chance geben will, für Deutschland zu spielen, dann holt man eben jemanden, der schon fürs Nationalteam spielt, in den Verein. Vielleicht ist das ein Randaspekt der Verpflichtung von Robin Gosens. Wenngleich: Als hundertprozentigen EM-Teilnehmer sollte man den Außenverteidiger nicht sehen. Bei der letzten WM war er nicht dabei.

Aber er ist ein Typ mit seinem unkonventionellen Werdegang abseits der deutschen Nachwuchsleistungszentren und der Hartnäckigkeit, sich als Nobody im Ausland durchgesetzt zu haben. Und für eine Mannschaft, die in der Champions League bestehen muss, ist es ein Bonus, jemanden zu haben, der sich dort auskennt. Gosens könnte aber das Maximum dessen sein, was ein erfolgreiches Team an Ergänzung verkraftet, ohne dass sich sein Charakter verändert.

Sich für die Champions League zu qualifizieren ist genauso eine Gefahr wie ein Glück. Ein Club braucht einen größeren und qualitativ besser bestückten Kader, aber er hat keine Garantie, dass er ihn auch im Jahr danach finanzieren kann, wenn er eventuell bis wahrscheinlich nicht mehr in der Königsklasse antreten darf. Der Zauber kann nach sechs Gruppenspielen vorbei sein. Klar, momentan erlebt Union ein Wachstum und ist nicht mehr nur auf Spieler von der Resterampe angewiesen. Doch Prominenz kommt mit Ansprüchen, schafft Erwartungen. Schon mit Max Kruse hat es nicht richtig geklickt, und die Frage darf erlaubt sein, ob ein Kevin Volland, der in Monaco nicht mehr weiterkommt, für Union ein besserer Spieler sein wird als etwa die Entdeckung Sheraldo Becker. Oder nur ein teurerer.

Spannend, was Union da treibt, ein Club, der es bislang geschafft hat, dass seine Anhängerschaft Faktoren wie die Abhängigkeit von Investoren und das negative Eigenkapital ausblendet. Nun wird das Underdog-Image nicht mehr aufrechtzuerhalten sein.

Guenter.Klein@ovb.net

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