München – Bis Freitag wollten die Bayern Klarheit schaffen, wer bis zu Manuel Neuers Rückkehr im Tor steht. Nun haben sie das sogar zwei Tage früher. Es wird nicht Stefan Ortega (30/Vertrag bis 2025) von Manchester City sein, über den zuletzt spekuliert wurde. Auch nicht David de Gea (32/vereinslos). Sondern doch Sven Ulreich.
Das entschieden die Verantwortlichen nach einem Treffen der Transfer-Taskforce „Ausschuss Sport“, wie unsere Zeitung erfuhr. Bereits am Sonntag ließ Vorstandschef Jan-Christian Dreesen (55) diese Variante durchblicken. „Mir ist wichtig zu betonen, dass wir mit Sven Ulreich einen Torwart haben, der immer da ist, wenn es schwierig ist. Das hat er in der Vergangenheit öfter bewiesen“, antwortete er auf die Frage nach der schwierigen Torwart-Situation.
Zur Wahrheit gehört auch, dass sowohl die Absage von Chelsea-Keeper Kepa Arrizabalaga (28), der sich für einen Wechsel zu Real Madrid entschieden hat, als auch die Verletzung von Ajax-Schlussmann Geronimo Rulli (31) einen maßgeblichen Anteil an dieser Entscheidung haben. Nun hoffen die Verantwortlichen neben einer guten Performance von Ulreich auf eine schnellere Rückkehr von Manuel Neuer (37), der derzeit wohl Fortschritte in der Reha macht.
Die Aussicht auf ein baldiges Comeback dürfte Trainer Thomas Tuchel freuen. Dass er keinen weiteren Ersatz für Neuer bekommt, eher weniger. Ohnehin scheint die Laune Tuchels angeknackst, auch wegen der aktuellen Reiseplanungen: Der Trainer und sein Team heben am Freitag bereits um 11.30 Uhr in Richtung Bremen ab, wo neun Stunden später der Bundesliga-Auftakt gegen Werder angepfiffen wird (Sat1 und DAZN). Samstagvormittag geht’s zurück gen Süden. Angeflogen wird jedoch nicht Oberpfaffenhofen, sondern Bozen. Einen Tag nach der Bundesliga-Eröffnung steht nämlich das traditionelle Traumspiel an – und Gegner ist eine Auswahl des Fanclubs „Weinbeisser Kaltern“.
Für Tuchel ist dieser Termin die Gelegenheit, sich mal wieder nahbar zu geben – so wie man die Coaches in München haben möchte: als Teil der Bayern-Familie. Schon während der Asien-Reise nahm man ihn hingegen sowohl intern als auch extern dünnhäutiger wahr als in der Vor-Saison. Hinter den Kulissen musste durchaus Überzeugungsarbeit geleistet werden, um ihn für PR- und Fan-Termine zu begeistern. Selbst die Ansetzungen von öffentlichen Trainingseinheiten sollen ein Diskussionsthema gewesen sein.
Es steht außer Frage, dass Tuchel beim FC Bayern sportlich unumstritten ist. Trotzdem schaut man in der Führungsetage genau hin. Dort wird der Übungsleiter unter anderem für die Fähigkeit geschätzt, Fehler messerscharf analysieren zu können. Allerdings ist nicht immer zu erkennen, welche Konsequenzen er daraus zieht.
Ein weiteres Indiz, dass sich Tuchel in den vergangenen Monaten verändert hat: Zeigte er sich vor einem halben Jahr im Hinblick auf den anstehenden Transfersommer noch kompromissbereit, pocht er jetzt auf seine Wunschspieler. Mit Kim Minjae (26) und Harry Kane (30) bekam Tuchel seine Transfer-Träume erfüllt – und muss nun auch entsprechend liefern. Ein stärker defensiv denkender Sechser soll noch kommen. Und womöglich statt eines Neuer-Ersatzes noch ein Ulreich-Ersatz.