Bereit für die harten Wochen

von Redaktion

Leipzig überzeugt trotz personellen Problemen in Bern und sieht sich gerüstet für die kommenden Aufgaben

Bern/Berlin – Xavi Simons hielt die Auszeichnung für den Spieler des Spiels in der linken Hand und lächelte stolz in seine Smartphone-Kamera. Es läuft einfach – nicht nur beim neuen Wirbelwind von RB Leipzig, sondern bei der gesamten Mannschaft. Das 3:1 (1:1) zum Champions-League-Auftakt bei Young Boys Bern war der vierte Sieg in Folge für den DFB-Pokalsieger, was angesichts der Verletzungsmisere auch für Trainer Marco Rose keine Selbstverständlichkeit ist.

„Wie wir solche Spiele und die Stimmung hier annehmen, gefällt mir nicht erst seit heute. Das hat was von Kriegermentalität“, lobte der RB-Coach. Im Stadion des Schweizer Meisters liegt ungewohnter Kunstrasen, wichtige Stammspieler wie Kreativdirektor Dani Olmo oder Abwehrchef Willi Orban fehlen noch lange, in Bern musste auch Lukas Klostermann wegen eines Infekts passen. Die Abwehrzentrale bildeten die noch nicht eingespielten Mohamed Simakan (23) und Castello Lukeba (20). Kurzum: Die Umstände hätten einfacher sein können.

Und so lief am Dienstag fast folgerichtig auch nicht alles reibungslos. Nach der frühen Führung durch Simakan (3.) überließ RB dem Gegner das Spiel, die vom früheren Bundesliga-Profi Raphael Wicky trainierten Young Boys kamen durch Meschack Elia (33.) zurück.

Doch anstatt in Panik oder laute Schuldzuweisungen zu verfallen, ging es in der Halbzeitpause in Leipzigs Kabine ruhig zu, wie Xaver Schlager berichtete. „Wir waren unzufrieden, sauer, es war nicht unser Spiel. Der Trainer hat gar nicht viel sagen müssen“, betonte der Österreicher, der Leipzig mit seinem ersten Champions-League-Tor in der 73. Minute per Gewaltschuss wieder auf Siegkurs brachte: „Wir sind klar im Kopf geblieben, haben weiter nach vorne gespielt und verdient gewonnen.“

Der eingewechselte Neuzugang Benjamin Sesko (90.+2) machte den Deckel drauf und stieg mit 20 Jahren und 111 Tagen zum jüngsten Leipziger Torschützen in der Königsklasse auf.

Seine Mannschaft lebe derzeit „vor allem von den Ergebnissen“, betonte Rose. Wenn diese trotz der angespannten Personallage in den kommenden Spielen gut bleiben, steht Leipzig mit den neuen Offensivwaffen Simons und Lois Openda, die den abgewanderten Torschützenkönig Christopher Nkunku bislang vergessen und Timo Werner zum Bankdrücker machen, eine große Saison bevor.

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) geht es in der Liga zu Roses Ex-Club Borussia Mönchengladbach. Es folgen die erste DFB-Pokalrunde bei Zweitligaaufsteiger SV Wehen Wiesbaden, das Bundesliga-Topduell mit Serienmeister Bayern München und die Reise zu Champions-League-Titelverteidiger Manchester City.  sid

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