München – Die Rückkehr zur Normalität haben sich die drei Münchner Weltmeister dann doch noch ein bisschen versüßen lassen. Zu Wochenbeginn ließ sich das Trio auf der Wiesn feiern. Am Mittwoch lud Ministerpräsident Markus Söder zur offiziellen Gratulation. Dann hat der Alltag Andreas Obst, Niels Giffey und Isaac Bonga erst einmal wieder.
Am Wochenende sind die drei dann schon in Athen gefragt, wo die Bayern bei einem hochkarätigen Turnier mit Panathinaikos Athen, Efes Istanbul und Partizan Belgrad ihre Saison-Generalproben absolvieren. Immerhin Giffey kann dem Ganzen schon viel Positives abgewinnen. „Es ist gut, wieder in einen festen Rhythmus zurückzukehren“, sagte er.
Wie der aussehen könnte, davon konnte sich das Gold-Trio ja schon am Sonntag überzeugen als sich die Kollegen mit einem leidenschaftlichen Kampf gegen Roter Stern Belgrad den Magenta-Sport-Cup sicherten. Und es wird ja sogar noch besser kommen. Auch Star-Zugang Serge Ibaka stieg mit ins Training. Die verletzten Vladimir Lucic und Freddie Gillespie werden in nicht zu ferner Zukunft folgen. 19 Spieler werden sich dann, die Nachwuchskräfte Ivan Kharchenkov und Martin Kalu inklusive, im Aufgebot von Trainer Pablo Laso tummeln. Was erahnen lässt, dass sich die Bayern einen Wunsch erfüllt haben, den die Verantwortlichen um Geschäftsführer Marko Pesic schon seit längerem haben: Man kann im Grunde mit zwei Kadern planen, für die Bundesliga und die Euroleague.
Bei Ibaka wird man abwarten müssen, wie schnell ihm der Umstieg auf die europäische Variante der Sportart gelingen wird. Doch auch so konnte man am Wochenende sehen, wohin sich die Bayern entwickelt haben. Man hat ein athletisches und spielstarkes Team, das schnellen Basketball spielt. Der Fangemeinde am Wochenende machte die Mannschaft Spaß, im Schlussviertel kochte der BMW-Park wie selten.
Carsen Edwards hatte daran viel Anteil. Der US-Guard durchwuselte in der gesamten Vorbereitung die gegnerischen Defensiven wie die Rennmaus Speedy Gonzales und hatte so etwas wie ein Abo auf die Rolle des Topscorers. Der filigrane Spielmacher Sylvain Francisco konnte sich nach der WM erst einmal im Bayern-Trikot zeigen. Doch die Art wie er vor allem im Schlussviertel gegen Belgrad das Spiel an sich riss, Pässe verteilte oder selbst vollstreckte, lässt schon Gutes ahnen. Nicht zu vergessen der dynamische Argentinier Leandro Bolmaro, der sich mit Francisco, Edwards, Allrounder Nick Weiler-Babb und die einstige Chemnitz-Leihgabe Nelson Weidemann die Spielgestalter-Rolle teilen wird. Ein Kreativquintett mit fünf sehr unterschiedlichen Spielertypen – was Laso ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.
Wenn die Bayern dieser Tage noch Sorgen haben, dann sicherlich auf den sogenannten großen Positionen – zumindest solange Lucic und Gillespie noch nicht mitmachen können. Rückkehrer Devin Booker, der mit den Bayern schon zwei Meistertitel feierte, mag auch mit 32 Jahren unangefochten sein. Doch Danko Brankovic oder Dino Radoncic können das Niveau des früheren Fenerbahce-Centers nicht ganz mitgehen. Aber da ist ja auch noch Weltmeister Isaac Bonga. „Ich bin ein Schweizer Taschenmesser“, sagte er dieser Tage der Sport-Bild sagte. Eine Waffe für jeden Zweck. Das könnte bald gefragt sein.