Paris – Edin Terzic entschwand grimmig in eine milde Pariser Nacht, drei Kilometer entfernt funkelte zum Tageswechsel der Eiffelturm. Bei Borussia Dortmund hingegen glänzte zum Start einer ultraschwierigen Champions-League-Mission überhaupt nichts – die Mutlosigkeit der Spieler in seiner Mauertaktik ließ Terzic fast verzweifeln.
„Wir haben uns das anders vorgestellt. Wir hatten, ganz nett formuliert, zu großen Respekt“, sagte Terzic im Presseraum des Betonklotzes Prinzenpark, den er kurz darauf im Laufschritt verließ. „Klarer gesagt: Uns hat einfach der Mut gefehlt.“
Paris St. Germain, der WM-Torschützenkönig Kylian Mbappe, der 100-Millionen-Mann Randal Kolo Muani und all die anderen, sie sollten eigentlich den heißen Atem des BVB im Nacken spüren – „jedesmal, wenn der Ball ins Zentrum gespielt wird“, betonte Terzic. „Wir wollten den Gegner viel früher und aggressiver unter Druck setzen.“
Stattdessen igelte sich der BVB mit seiner Fünferkette ein, in der irrigen Hoffnung, mit nur 20 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit seien die 90 Minuten gegen den Pariser Wundersturm irgendwie schadlos zu überstehen. „Noch schwieriger wurde es, wenn man dann den Ball erobert hat – und ihn nach drei Sekunden wieder abgibt“, bemängelte Terzic. Eine Verbindung der durchaus soliden Verteidigung zu den Konterstürmern Donyell Malen und Karim Adeyemi existierte nicht. Kapitän Emre Can stellte frustriert fest: „Wir sind sehr viel dem Ball hinterher gelaufen.“
Das soll es also gewesen sein, was Borussia Dortmund diese Saison in der Königsklasse zu bieten hat? Angsthasenfußball? In der kniffligen Gruppe F mit dem AC Mailand und den mit saudischen Öl-Millionen aufgepumpten Neureichen von Newcastle United sollte weit mehr kommen – darüber konnte Terzic beim Rückflug am Mittwoch grübeln.
Der berechtigte Ärger über eine umstrittene Entscheidung des spanischen Schiedsrichters Gil Manzano war eine Ablenkung, aber keine Ausrede. Vor dem 1:0 durch Mbappe hatte Niklas Süle den Ball im Fallen aus kurzer Distanz an die Hand bekommen.
„Der Schiri hatte eine sehr arrogante Art, auch wenn man ruhig mit ihm gesprochen hat“, schimpfte Marius Wolf: „Das ist, was mich ein bisschen ankotzt.“ BVB-Berater Matthias Sammer ätzte bei Prime Video: „Ich bin froh, dass bald die künstliche Intelligenz kommt.“
Edin Terzic ist immerhin gutzuschreiben, dass er sich damit nicht aufhielt. „Das sind diese strittigen Handspielsituationen, für die es weiterhin keine klaren Regelungen gibt“, sagte er zwar, aber: „Wir können da nichts dran ändern – viel mehr stört mich die Art und Weise unseres Auftritts“. Mutlos, unkonzentriert, letztlich chancenlos. Sammer sprach die Missstände klar an. Malen und Adeyemi nannte er „die beiden da vorne“ und warf ihnen vor, nach Fehlern erst einmal „eine Minute in sich zu gehen“: Dies seien „einfach schlechte Signale. Das ist einfach nicht gut und das muss aufhören“.
Zudem verletzte sich Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer früh ohne gegnerische Einwirkung. Der Österreicher habe „einen Stich in den Adduktoren gespürt“, sagte Terzic, Kehl vermutet einen Ausfall für das Ligaspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag. Fortan fehlte dem BVB der überaus wichtige Verbindungsspieler, Felix Nmecha ersetzte Sabitzer nicht mal im Ansatz. sid