Wenischa redn, bitte!

von Redaktion

TV-KRITIK

Sie sind die Besten! Die Schönsten! Die Reichsten! Gestern durften wir endlich wieder die Champions-League-Hymne singen, schmettern, flöten. Musikalisch war’s ein gelungener Abend, fernsehtechnisch dagegen weniger. Beim DAZN gab’s Ruckelstream, unverständlichen Ton und den Ballack Michl, der einen Quasselstriptease hingelegt hat.

Der Moderator: Alex Schlüter musste sich bemühen, zu Wort zu kommen. Denn nur seine Oma Gisela Schlüter selig hat noch mehr geredet als Ballack. Schlüter junior hatte trotzdem gute Momente, wertete den Champions-League-Spielball zum „Königsball“ auf und taufte die turbulenten Engländer in „Hollywood United“ um. Liebling des Abends war aber der neue Bayern-„Spuatdirektor“ Christoph Freund aus Salzburg, quasi der Alpen-Brazzo. Er „erwortete“ ein „cooles Fußboispü“ und scheint ein leiwander Bursch zu sein.

Der Dauerredner: In Niederbayern gibt’s den schönen Begriff des „Maustotschmatzers“. Gemeint sind redelustige Zeitgenossen, die unschuldige Nager ins Grab labern können. Michael Ballack beherrscht den Trick auch bei wesentlich größeren Viechern oder bei unschuldigen DAZN-Abonnenten. Die Worte quillen nur so raus aus ihm, ohne Bungd und Gomma. Über Bundestrainer Nagelsmann: „Es ist noch viel zu tun, an vielen Ecken und Enden gibt es da viel zu tun.“ Über United: „Es ist nicht so richtig Ruhe in den Verein gekehrt.“ Und über einen Ex-Star der Engländer: „Cristiano Ronaldo mit allem, was so ein Spieler fordert, anfordert, einfordert.“ Dann einforderte er noch, ein „Anspruchsdenken in Spieler einzupflanzen“, der olle Botaniker. Man möchte ihm auf gut Sächsisch zurufen: „Gänsefleisch ma wenischa redn?“

Die Kommentatoren: Michael Ballack hat für ein akustisches Grundrauschen gesorgt. Das klang so: „Bayern brtzbrtz Kim Kimmich tststskmbl Adagge ooch schwbsdrps wer nisch aufs Tor schießt kann auch kein Tor schießen krmpfdl in so ner Bedrängung jedes Tor ist schön.“ Viel hat man aber eh nicht verstanden, weil die Südkurve lauter zu hören war als der Michl und Jan Platte. Was man von Platte gehört hat, war gewohnt gut, zum Beispiel über Josh Kimmichs „Helfersyndrom“. Trotzdem hat man sich als Zuschauer in seiner Bedrängung fast schon Sky Go zurückgewünscht, so absurd das auch klingt.

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